Freitag, 5. August 2016

Persönliches | Wie ich durch das Bullet Journal produktiver wurde



Hallo ihr Lieben!

Heute möchte ich euch das Bullet Journal vorstellen, welches momentan sehr im Trend liegt. Auch ich habe die Vorteile dieses Notizbuches für mich entdecken können und möchte euch nun daran teilhaben lassen.

Zuerst einmal: Was ist das Bullet Journal?

Das Bullet Journal ist im Grunde genommen ein stinknormales Notizbuch. Dabei ist es egal, ob du das Original verwendest, die Version von Leuchtturm1917 oder ein kariertes oder liniertes Notizbuch aus einem 1€-Shop. Hauptsache, es fühlt sich für dich gut an, darin zu schreiben.
Entscheidend ist das System, dass sich die Macher des Bullet Journals ausgedacht haben und was folgendermaßen funktioniert:


Es ist also ein Kalender, den du für dich so gestalten kannst, wie du es möchtest, mit einem System, bei dem Organisation einfacher und übersichtlicher gemacht werden soll, aber nicht muss.

Warum habe ich mich für ein Bullet Journal entschieden?


Ich hatte mir als Vorsatz für dieses Jahr vorgenommen, Tagebuch zu schreiben und mir einen recht dicken und klobigen Kalender gekauft. Jeder Tag verfügt über eine Seite. Dort habe ich geschrieben, was mich am Tag bewegt hat, merkte aber schnell, dass eine Seite oftmals nicht ausreichte. Also habe ich einen Block gekauft, dort weitergeschrieben, mit dem Vermerk, das Blatt an die richtige Stelle einzufügen. Fand ich nicht schön und irgendwie auch nervig.

Dazu kommt, dass ich noch ein Dankbarkeitstagebuch (von der Flow), einen Notizblock mit Lesevorhaben und noch einen Kalender mit den richtigen Terminen führte. Ehe ich es mich versah, war ich zu dem geworden, was ich früher nie verstanden habe: Ein Mensch mit tausend Kalendern, wo einer doch seinen Sinn erfüllen sollte, weil mehr niemand braucht.

Je stärker ich mich mit dem Bullet Journal beschäftigte, desto mehr fühlte ich, dass es das war, wonach ich gesucht hatte, ohne zu wissen, dass ich es brauchte. Einen Ort, wo ich alles vereinen kann, was mich ausmacht und das ohne Platzbeschränkung.

Im April kaufte ich mein erstes Bullet Journal und trug alle Ereignisse nach und es fühlte sich richtig gut an, endlich den Platz zu haben, den ich brauchte. Mittlerweile ist es beinahe voll und im August ziehe ich in mein zweites Bullet Journal um und bin noch immer überzeugt von dem System.

Nun möchte ich euch erzählen, wozu und wie ich das Bullet Journal nutze.

Da ich absolut kein Händchen für Zeichnungen, Handlettering oder dergleichen habe, ist mein Bullet Journal eher weniger künstlerisch veranlagt. Eh ich mich über krüpplige Zeichnungen ärgere, lass ich es und bleibe im Rahmen meiner Möglichkeiten dem Minimalismus treu :D

Wie und wofür nutze ich das Bullet Journal?

  • Alltagsorganisation 

Zu Beginn des Monats habe ich eine Monatsübersicht, die ich sehr stark an BohoBerry (die sowieso DIE Vorlage für jegliche Bullet Journals ist) angelehnt habe. 


Eine Seite nutze ich für den Monat, in dem ich Termine und private Dinge eintragen kann, um alles auf einen Blick zu haben. Beispielsweise muss ich einmal im Monat zum Arzt, um meine Desensibilisierungsspritze gegen meine Allergie zu bekommen und kann so immer gut einsehen, wann ich das letzte Mal da war und im kommenden Monat wieder hin muss. Etwas, was in einem Tageskalender eher doof zu überblicken war. 


Eine Seite nutze ich für Ziele und Aufgaben des Monats, damit ich nicht aus den Augen verliere, was erledigt werden muss. Ich trage auch hier meine Wiegeergebnisse (rein aus Interesse) und meinen monatlichen TBR (to be read-Stapel) ein. 


Ich habe eine Monatsübersicht, in der ich jeden Tag einschreiben kann, was und wie viel ich geschrieben habe, um herauszufinden, ob ich die Zeit sinnvoll genutzt habe und wie gut ich vorangekommen bin. So fällt es mir leichter, bestimmte Arbeitsschritte einzuschätzen und sie im Voraus planen zu können. 

Seit ich diese Übersicht habe, komme ich auch mit einigen Dingen viel besser und vor allem schneller voran. Gerade das hat sich unglaublich positiv auf mein Schreibverhalten ausgewirkt und es ärgert mich wie sonst was, dass ich erst jetzt darauf aufmerksam geworden bin. Aber gut. Lieber spät als nie.

Ein von @sarah_force gepostetes Foto am

Dann erstelle ich eine Wochenübersicht, in der ich meine To-Do-Listen einschreibe. Vorerst hatte ich das in meinem Tagebuch-Abteil, aber es nervte mich, dass ich quasi immer warten musste, bis ich den Tagebucheintrag eines Tages geschrieben hatte, bevor ich die To-Dos eines nächsten Tages einschreiben konnte. So habe ich alles auf einen Blick und finde die Wochenübersicht auch sehr anenehm. Für jemanden, der, seit er denken kann, NUR Tageskalender benutzt hat, eine große Umstellung :D

Mittlerweile schätze ich es aber sehr, eine Woche im Überblick zu haben und es fällt mir leichter, Termine und Aufgaben besser eintakten zu können. Wenn ich merke, dass ein Tag zu voll wird, lagere ich Dinge an andere Tage aus und versuche so, im Gleichgewicht zu bleiben. Geht natürlich nicht immer, aber der Ansporn ist da, ein gesünderes Gleichgewicht zwischen Arbeit und Entspannung zu finden. Gleichzeitig trage ich in der Wochenübersicht auch meine Sportergebnisse ein und das motiviert mich sehr, dranzubleiben.

Insgesamt kann ich also sagen, dass meine Produktivität und mein Zeitmanagement durch das Bullet Journal positiv beeinflusst werden. Natürlich kostet es Zeit, solche Seiten einzurichten, die wiederum an anderen Ecken fehlt, aber wenn ich im Nachhinein so viel besser arbeiten und meinen Alltag organisieren kann, ist es mir das wert. Und letztendlich ist so etwas schnell gemacht, während ein YouTube Video läuft oder man die Lieblingsserie weiterschaut.

In Zukunft möchte ich gern einen Essensplan integrieren, um mich ein wenig gesünder zu ernähren, aber da hab ich noch keine gute Idee, wie ich den gestalten könnte. Aber genau das macht so viel Spaß - ein Layout für die Dinge zu entwickeln, die man im Auge behalten möchte. 

  • Persönlichkeitsentwicklung

Das Wort Persönlichkeitsentwicklung klingt jetzt so furchtbar hochgestochen. Aber ich habe einige Seiten in meinem Bullet Journal, wo ich mich selbst reflektieren kann. Den Platz gab es in meinem alten Kalender nie.

Dazu gehört für mich zum einen das Tagebuchschreiben. Wenn ein Tag mal mit 3-4 Seiten beschrieben wird, habe ich damit kein Problem mehr und muss auch keine extra Seiten einkleben. Wenn ein Tag nur drei Zeilen umfasst, ist das auch gut. Das ist so unglaublich befreiend, einfach zu machen, ohne dran zu denken, dass man nur noch fünf Zeilen hat und dann auf den Block umsiedeln muss. 


Außerdem kann ich mein Dankbarkeitstagebuch direkt in dem Tagebuch-Teil integrieren, was eine Menge Arbeit abnimmt, weil ich automatisch daran denke und nicht erst zu einem extra Notizbuch greifen muss.

Ich lasse jeden Monat Revue passieren, indem ich eine „memories“-Seite erstellt habe, auf die ich später noch einmal zurückkomme. Zum einen, um nicht zu vergessen, zum anderen aber, um meine Wahrnehmung zu schulen, sich auf das Positive zu fokussieren.


Der wichtigste Teil ist aber mein Habit-Tracker: Hier liste ich Angewohnheiten auf, die ich verstärken möchte (zum Beispiel jeden Tag 2-3l zu trinken) und Dinge, die ich ablegen möchte (Prokrastination, hallo!) Hier trage ich für einen Monat alles Gute und Schlechte ein und kann so stetig sehen, wie meine (Weiter-)Entwicklung ist und mich verbessern. 

Mein Trinkverhalten hat sich positiv verbessert, schließlich will man jedes Feld in dem Ding hübsch anmalen :D ich bin durch sowas ja total zu motivieren und es macht Spaß und hilft mir sehr, an mir und meinen Gewohnheiten zu arbeiten.

Dann habe ich noch einige Seiten zur Selbstreflektion drin, die zum einen aus ausfüllbaren Diagrammen bestehen, aus Fragen zu mir als Person, meinem Zeitmanagement oder auch meinem Verhalten. Das hilft mir, wenn ich immer mal wieder kurz innehalte und drüber nachdenke, was ich will und ob ich von meinem Kurs abweiche oder drauf und dran bin, gegen die Wand zu brettern.

Im neuen Bullet Journal möchte ich eine Seite einführen, die „braindump“ heißt und quasi ein sehr persönliches Twitter-Konto ist. Ich kann da in kurzen Gedanken raushauen, was mich bewegt, nur eben ganz für mich allein. Manche Dinge gehen die Öffentlichkeit einfach nichts an. Ich bin gespannt darauf, ob die Seite voll wird und weiterhin im Bullet Journal bleibt. 

Außerdem werde ich eine „Me-Time“-Seite einführen. Manchmal räume ich mir selbst zu wenig Raum mit Luxusdingen ein – mal eine Serie gucken und nichts nebenher machen oder die Füße hochlegen. Da ich grundsätzlich das Gefühl habe, zu wenig zu tun, spare ich als Erstes an dieser Stelle und darauf muss ich mehr achtgeben.

  • Listen generell

Ich LIEBE Listen jeglicher Art. Die kann ich dort ganz praktisch einbinden.

Zum Beispiel was ich vor Bali erledigen wollte und musste und nach Bali tun möchte. Eine Liste über Dinge, die mir helfen, Energie zu tanken oder auch, was mir Energie raubt. Wunschlisten, die ich nicht über goodreads oder Amazon führen möchte. 

Alles, was man auflisten kann, kann ich hier tun und was soll ich sagen: Ich liebe es unheimlich.
  • Notizen
Hier mal schnell was notieren, was man nicht vergessen darf, da noch eine Telefonnummer aufschreiben, weil man dort in drei Wochen anrufen muss, das Ergebnis war ein Zettelberg, den ich nicht mehr überblicken konnte. Jetzt kommt alles ins Bullet Journal, geht nicht mehr verloren und ist übersichtlich. Ist es durchgekreuzt, ist es abgehakt und braucht mich nicht weiter zu interessieren. Perfekt!

  • Tagebuch

Wie schon erwähnt, kann ich hier Tagebuch schreiben und das so viel, wie ich will. Mir sind keine Grenzen gesetzt und es macht einfach Spaß. 

  • Kreativer Ort, nur für mich

Ich hatte es ja an der „memories“-Seite angemerkt: Ich brauche manchmal einen kreativen Ort für mich, der nichts mit Worten in dem Sinne zu tun hat, wie ich sonst damit umgehe.


Ich kann nicht besonders gut malen und habe auch kein Interesse daran, mich darin zu üben. Aber ich hatte vor einigen Jahren ein „Wreck this Journal“-geführt und liebte es, auf unterschiedliche Art meinen Gedanken und Ideen Form zu verleihen. Sei es mit Farben, verschiedenen Schriftzügen (nichts Großes, aber immerhin) und in Form von kleinen Scetchnotes. Es hat mir total Spaß gemacht und ich merkte, dass ich das an meiner bisherigen Art, Tagebuch zu führen vermisste.

Deshalb male und kritzle ich auf der Seite alles auf, was mich den Monat über bewegt hat. Schön ist anders und im Nachhinein gefällt es mir meistens nie :D aber es macht Spaß und ich kann in den Momenten des Malens total abschalten. Und darum geht es letztendlich. Mal male ich mehr, mal schreibe ich mehr, es ist mein Austobplatz und Platz für Fehler und Hässlichkeit und das mag ich irgendwie. Vielleicht lache ich in ein paar Jahren drüber, wie krüppelig das aussah; vielleicht schüttele ich auch in fünf Jahren mit dem Kopf, dass ich noch immer so male wie ich es jetzt tue. Keine Ahnung, aber ich freue mich drauf. 

Allgemein mag ich es, hier und da einfach mal was zu kritzeln und in meinem Tagebuch war bisher nie Platz dafür und in meinem „offiziellen“ Kalender, den ich überallhin mitnehme, war mir das teilweise zu persönlich.

Früher habe ich das immer gemacht. In der Schule hat man sich in langweiligen Stunden die Kalender hin und her gereicht und da störte es mich nicht, weil man sich kannte. Aber als im Studium einfach eine Kommilitonin meinen Kalender griff und sich einige Dinge durchlas, hatte ich dabei kein gutes Gefühl mehr, private Dinge mit in die Öffentlichkeit zu nehmen. Da ich das bisher so nie erfahren hatte, hatte ich ein Problem, weil es ein Teil von mir war, solche Dinge auf diese Art festzuhalten. Deswegen mag ich einige Kalender der letzten Jahre gar nicht, weil da nur Termine drinstehen, nichts weiter. Da fehlt es mir an Persönlichkeit; an MIR.

Deshalb ist das Bullet Journal perfekt. Die Terminkalender werde ich nach entsprechender Zeit entsorgen, aber das Bullet Journal ist meine Persönlichkeit und das behalte ich. Natürlich. :D



Was mir am Bullet Journal gefällt

  • die freien Entfaltungsmöglichkeiten - alles ist genau SO wie ICH es will
  • das Format, die Farbauswahl, die Tasche im hinteren Bereich, das Gummiband (die Aufkleber für Buchrücken und Cover)
  • das Punktmuster, sodass man kritzeln, planen, schreiben kann
  • die Ideen, wie man Termine symbolisch darstellt und Aufgaben abhaken kann (mittlerweile nutze ich es überall, weil es so simpel und erfolgreich ist)
  • dass es genau DAS System ist, in dem ich mich entfalten, entwickeln und steigern kann
  • im Grunde genommen: das tun, worauf man Bock hat, egal was und wie viel und womit

Was mir am Bullet Journal nicht gefällt

  • dass ich mit einem Notizbuch nicht ein Jahr lang auskomme, sondern höchstens 3-4 Monate und das nervt mich
  • Qualität hat seinen Preis
  • manchmal gibt es diese Momente, in denen es anstrengend ist, dass man ALLES selbst gestalten muss. Wobei genau das ja der Sinn ist. 



Vielleicht werde ich irgendwann noch einmal einen Post dazu schreiben und vergleichen, welche Seiten und Methoden sich bewährten haben und was ich mittlerweile wieder geändert habe, sofern ihr daran Interesse habt :)


Habt ihr auch von diesem Trend gehört? Seid ihr selber Bullet-Journalers? Wie und wofür nutzt ihr es?

Wollt ihr weitere Einblicke, Empfehlungen oder dergleichen hören, dann lasst es mich in den Kommenaren wissen :) 


Kommentare:

  1. Hallo liebe Sarah,

    von Bullet Journals habe ich schon gehört und auch mal etwas darüber bei Youtube oder Pinterest gesehen. Obwohl ich jedoch ein totaler Listenfan bin und gerne Dinge plane und abhacke oder gestalte, wäre ich damit ein wenig zu überfordert. Vielleicht aber auch, weil es mir zu zeitintensiv ist und ich jegliche Sachen in meiner Handschrift absolut hasse. Ich besitze so viele Notizbücher womit ich tolle Dinge geplant habe und nie kam ich weit, da ich nach einer Seite schon das Gefühl hatte, mit meiner Handschrift alles kaputt zu machen.

    Dennoch scheint diese Form das Bullet Journal wirklich perfekt zu dir zu passen.
    Du beschreibst hier sehr ausführlich um was es geht und was du dort einträgst und wie es dir hilft. Es macht einen so schon fast ein wenig „Appetit“ darauf. Die Sachen die du dort einträgst und auch die Listen die du führst klingen auch super und kreativ. Auf einige Sachen wäre ich gar nicht gekommen. und ich hoffe, dass es dir weiterhin helfen wird. :)

    Liebe Grüße,
    Alex

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    1. Hallo liebe Alex,

      ich war anfangs auch überfordert. Nachdem ich gesehen habe, was manche mit ihrer wunderschönen Handschrift und dem vorhandenen Zeichentalent da zaubern, das ist unglaublich. Das sind ja keine Notizen mehr, sondern Kunstwerke.

      Es ist schon sehr zeitintensiv, aber die Zeit nehme ich mir ganz bewusst. Es hilft mir, mich wieder auf das zu fokussieren, was wichtig ist und mir hilft, am Ball zu bleiben (also generell :D) und das bin ich mir irgendwie wert. Ich denke aber auch, dass sich mein Stil die kommenden Monate vereinfachen wird. Aber mal gucken.

      Das Problem mit der Handschrift kenne ich auch ;) aber ich zwinge mich gerade dazu, es dann einfach so zu lassen. Genau das ist ja auch der Sinn der Sache - es soll okay sein, so wie es ist.

      Vielen Dank, es freut mich, dass der Post einen guten Überblick geben konnte und auch ein wenig Appetit macht ;) Genau das war mein Ziel :D

      Liebe Grüße,
      Sarah

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