Sonntag, 31. Juli 2016

Persönliches | Bali - das Fazit




Hallo ihr Lieben!

Kommen wir nun zum Fazit meiner Bali-Reise und damit dem letzten Post dieser Reihe. 

Bali

Fangen wir mal mit dem Negativen an, damit das abgehakt ist ;)

Die Währung

Gut, dafür kann Bali nichts, aber die nervte mich. In jedem Reiseführer stand, dass man ÜBERALL hauptsächlich mit Visa zahlt. Ich habe mir extra eine Visakarte zugelegt und insgesamt drei Mal damit gezahlt, wow. Alles geht bar, was bei den Summen und hohen Scheinen nervig ist. Man will ja nicht mit zwei Millionen Rupiah im Gepäck rumlaufen. Wenn man aber allein für eine Taxifahrt hin und zurück 100.000 zahlt, ist es schwierig, genug, aber nicht zu viel dabei zu haben. Ein Mittelmaß, mit dem ich keine Probleme oder ein doofes Gefühl im Bauch hatte, habe ich leider nie gefunden.

Der Verkehr

Rom ist nichts dagegen. Es gibt kein Transportsystem in Bali, weshalb alles unter der Hand über Privatautos oder Roller geht. Da ist auch nichts mehr mit balinesischer Freundlichkeit, das ist ein einziges Himmelfahrtskommando. Fahrten zu organisieren ist reine Verhandlungssache. Kann ich nicht, fand ich schwierig und nervte mich schon direkt am ersten Tag. (warum die Organisiation keinen Shuttle einrichtet, verstehe wer will. Dafür hätte ich echt gern nochmal drauf gezahlt).

Unangenehm ist es, wenn du als junge Frau allein mit einem Mann, den du auf der Straße anquatscht im Auto sitzt, die Türen verriegelt werden und du einfach nur hoffst, dass du nicht nur lebend, sondern auch dort rauskommst, wo du hin willst. Nennt mich paranoid, meinetwegen, aber angenehm reisen ist anders. Leider funktioniert es nur so.

Das Klima ist schwierig, aber man gewöhnt sich schon am zweiten Tag dran, immer klebrig zu sein :)

Dass Bali mir nicht ganz so gefiel, wie ich es erwartet hatte (wie zum Beispiel Ubud), dafür kann das Land nichts. Deshalb erwähne ich das an dieser Stelle nicht.


Positiv

Die Menschen

Man, was liebe ich die Menschen dort. Jeder strahlt so eine innere Ruhe, Gelassenheit und Zufriedenheit aus. Jeder, der sich mit Achtsamkeit beschäftigt, wird da voll drin aufblühen, die Menschen zu beobachten, wie sie Dinge tun. Jeder ist voll im Hier und Jetzt, höflich bis zum geht nicht mehr (man fühlt sich beinahe schon rüpelig, wenn man nur dreimal Danke sagt) und sehr zuvorkommend, hilfsbereit, zugewandt, ehrlich interessiert, kommunikativ und hach. Unterhaltet euch mit einem Balinesen und ihr seid beseelt für den Rest des Tages.
Ausnahme sind die Taxifahrer.

Das Essen

Selten habe ich so aromatisches Obst gegessen. Knackiges Gemüse mit Geschmack und dazu auch noch super gesund und sättigend. Billig auch. Selten haben wir mehr als 10€ für diverse Gerichte und Getränke bezahlt. Trinken sollte man aber nur aus abgepackten oder versiegelten Flaschen.

Die Kultur

Sehr interessant, anders und lehrreich. Kann man schwer beschreiben, man muss einfach selbst hin. Ich denke, die Bilder gaben eine gute Idee.


Sonstiges

Was uns allen uneingeschränkt gut getan hat, war das offline sein.

Das mag im ersten Moment vielleicht wirklich blöd klingen, aber wir haben mehrmals darüber geredet, wie entspannt es ist, nicht immer das Gefühl haben zu müssen, Nachrichten zu checken, Antworten zu schreiben oder die Neuigkeiten zu verfolgen. Mal abseits vom Terror und dergleichen zu sein. Wie auf so einer Insel, wo einen nichts mehr angeht. 

Ich mag das Internet sehr und genieße es auch. Aber ich denke, ich werde in Zukunft mal eine Offline-Detox-Diät einführen, auch wenn ich noch nicht weiß, wie das aussehen soll. Aber nachdenklich gestimmt hat uns dieses Gefühl sehr. 

Es tat mir außerdem unheimlich gut, mal mit Menschen zusammen zu sein, die keinen geradlinigen Lebenslauf haben. 

Zuhause bin ich nur von Freunden umgeben, die die Schule abgeschlossen haben, ihr Studium beendet und nun in einem Vollzeitjob arbeiten und glücklich sind. Ich hinke da mit allem aus unterschiedlichen Gründen hinterher und das macht mich unzufrieden und traurig. Ich habe dafür andere tolle Dinge erlebt und gesehen, für die ich auch dankbar bin. Bali wäre zum Beispiel gar nicht möglich gewesen, würde ich Vollzeit arbeiten. Trotzdem nervt es, wenn man sieht, wie viel sich andere leisten können und und dass sie dort sind, wo man selber auch wäre. Weil man genauso viel Fleiß in sein Studium gesteckt hat wie sie. 

Mal mit Menschen zu tun zu haben, die ebenfalls auf der Suche sind, sich die Zeit nehmen, zu reisen und ganz bewusst den anderen hinterherhinken, gab mir eine ganz neue Sichtweise auf meine Situation. Aus diesem Wettbewerbs-Denken rauszukommen, tat mir enorm gut und ich versuche, weiter daran zu arbeiten, meine Situation als Privileg zu sehen und nicht als Bürde. 

Organisation(en)

Deutsche Organisation

Abgesehen davon, dass ich dort die Reise gebucht habe, habe ich wenig mit denen zu tun gehabt.
Bei Anrufen wussten sie eigentlich nie irgendetwas. „Schildkröten? Wann da Saison ist, dass man was zu tun hat? Vielleicht googelst du das mal…“

Fand sie etwas zu wenig und falsch informiert, was ich aber leider erst im Nachhinein erfahren habe.
Sie schrieben mir während meines Aufenthalts in Bali aufdringliche Mails, wollten wissen, ob ich gut angekommen bin, dann wie es mir geht und was ich so erlebt habe. Ich schrieb von der etwas unschönen Ankunft, bekam aber nur ein halbherziges „Oh. Das tut uns leid“ zurück. 

Danke, wieso spamt ihr dann bitte mein Postfach zu, wenn ich auf Reisen bin und gerade mal NICHT online sein will?! 

Gepocht wurde auf Fotos, vor allem über Facebook, WhatsApp und Mails. Ich vermute, bestätigen kann ich das nicht, dass die für die Website verwenden werden sollen. Ob dabei Urheberrechte beachtet werden, weiß ich nicht. Ich weiß von anderen, die mit anderen Organisationen fuhren, dass die einfach Bilder von deren Facebook-Accounts genommen haben und damit Werbung auf eigener Seite betrieben wurde. Denke leider, dass das oft vorkommt und darüber sollte man sich bewusst sein. Deshalb habe ich bei Instagram bewusst drauf verzichtet, die balinesische Organisation in den Hashtags zu erwähnen.

Green Lion - Organisation in Bali

Fangen wir mal mit dem Negativen an:

Green Lion macht sein Geld. Beispielsweise gibt es so viele Volunteers, dass man nur drei Stunden täglich etwas an den Projekten machen kann, damit andere Gruppen ebenfalls zum Zug kommen.
Du hast bei deiner Ankunft keinen Einfluss darauf, wo du untergebracht wirst, weil du es nicht genau mitgeteilt bekommst (du hast nur die Adresse vom Office). Es gibt beispielsweise eine Unterkunft direkt in Ubud, dann etwas außerhalb, wo ich gewohnt habe. Ich war zufrieden mit allem, aber ich hätte natürlich auch gerne direkt in Ubud gewohnt, ohne Taxifahrt oder 20-minütigen Fußmarsch dahin. Wusste ich nur leider nicht.

Wenn man mit der Absicht in den Freiwilligendienst startet, etwas bewegen zu wollen und das der Hauptgrund ist, weswegen man überhaupt nach Bali reist: Tut euch das nicht an. Ihr bewegt GAR NICHTS. Innerhalb einer Woche habt ihr maximal 15 Stunden Freiwilligendienst. Angenommen, ihr helft auf einem Bau mit, was glaubt ihr, schafft ihr da? Ich habe mit einigen gesprochen, die da sehr enttäuscht waren. Verständlich.

Viele Dinge erschienen mir sehr unorganisiert und willkürlich. Vieles wird sehr viel blumiger ausgedrückt, als es ist. Das Schildkrötenprojekt ist für fast alle eine üble Enttäuschung gewesen. Eine schrieb auf unserer WhatsApp-Gruppe am Donnerstag (Anreise Montag), dass sie erst ein einziges Mal mit den Schildkröten zu tun gehabt hatte und ansonsten nur den Strand vom Müll befreit hatte, unterrichtet und ansonsten im Restaurant war, weil die Unterkunft so schlechtes Wifi hat. Traurig, dass das nichts wurde, bin ich bedingt…

Bitter aufgestoßen ist uns allen, dass wir so ziemlich den gleichen Preis für die Unterbringung gezahlt haben, manche aber nur Ventilatoren, andere Air Condition hatten. Wiederum andere hatten sogar Kühlschränke und warmes Wasser. In unserem Zimmer gab es für sechs Leute zwei Ventilatoren, das war alles. Finde ich etwas unschön.

Morgens um ca. 4 Uhr sah ich direkt von meinem
Bett die Sonne aufgehen :)
Jetzt kommen wir mal zu meinem speziellen Fall, der beide Organisationen betrifft und leider einen negativen Geschmack hinterlässt:

Ich bin krank geworden und musste das Projekt vorzeitig verlassen. Green Lion konnte mir keine Erstattung geben. Weder für die Aktivitäten, an denen ich nicht teilnehmen konnte, noch für die letzte Woche, die ich gar nicht erst antrat und für die ich sogar noch Aufschlag zahlen musste und das mit saftigen 150€ (das muss aber jeder, der das bucht).

„Wenn es dir morgen besser geht, kannst du ja auf den Vulkan gehen. Danach geht es leider nicht mehr, weil dann das Projekt für dich endet.“ Äh ja. Quäle mich mit letzter Kraft zur 2km entfernten Kantine und soll am nächsten Tag nachts auf den Vulkan rauf. Sonst ist aber alles klar bei euch, ja?

Im Büro wusste man, dass ich krank bin und nicht wirklich in der Lage war, auch kurze Wege bestreiten zu können. Als ich zum Arzt wollte, musste ich zum 1km entfernten Büro, um dort ein Taxi für den Arzt zu bekommen. Es hat auch niemand nach mir gesehen und gefragt, wie es mir geht, was gerade in Anbetracht der Essensversorgung ganz nett gewesen wäre, da die anderen mir nicht immer etwas mitbringen konnten. Ist auch nicht ihre Aufgabe. Green Lion übernimmt Verantwortung für unser Wohlergehen und das haben sie definitiv nicht getan.

Ich würde, wenn ich nächstes Jahr zurückkomme, einen Rabatt bekommen. Danke, echt. Als ob ich innerhalb einen Jahres so viel Geld habe, dass ich so etwas nochmal machen kann. Und als ob ich das mit der Erfahrung will.

Tja und was sagt die deutsche Organisation?
„Tut uns leid, was passiert ist, aber Erstattungen geben wir nicht.“
Aalglatt, desinteressiert. 

Find ich insgesamt mies und ich fühle mich abgezockt. Wir reden hier nicht von ein paar 100€. Das wäre ärgerlich. Aber die Summe ist eeeeeetwas größer und da fängt es an wehzutun.

Aber hey, Hauptsache ihr bereichert euch. Hab ich gerne gemacht! Spenden brauche ich die nächsten Jahre dann wohl nicht mehr…

Unsere Beinahe-Freiluft-Dusche
Schließen wir aber mal mit Positivem ab:

Zur deutschen Organisation kann ich kaum was sagen. Keine versteckten Kosten, reibungsloser Ablauf.  

Green Lion

Trotz der negativen Dinge muss ich sagen, dass ich die Leute, die für unsere Projekte und Aktivitäten zuständig waren, schon ein wenig ins Herz geschlossen habe. Die können nichts dafür, dass das Office so ist, wie es ist.

Sie haben sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten wirklich Mühe gegeben. Die Einführungswoche war super organisiert (klar, auch hier habe ich einige Kritikpunkte, aber das ist normal) und jeder dort war wirklich voller Leidenschaft dabei, uns die Kultur näherzubringen und einen schönen Aufenthalt zu ermöglichen.

Jede Woche gibt es ein Willkommens- und Abschiedessen für die Volunteers und generell kann man mit jedem sehr locker und leicht ins Gespräch kommen und mehr über alles erfahren.

Würde ich die Organisationen empfehlen?

Die deutsche Organisation nicht. Dazu wissen die zu wenig über das, was wirklich in Bali abgeht und sind auch wenig interessiert, wie es einem geht. Das Zugespame des Mailpostfaches ging mir zusätzlich echt auf den Keks. Ja, man muss nicht darauf eingehen, aber was soll das? 

Green Lion? 

Bedingt.
Man muss hier differenzieren.

Krank werden darf man definitiv nicht, da ist man absolut verloren. Kann man also eine Organisation empfehlen, bei der es im schwersten Fall keine Hilfe gibt? Schwierig. 

Im Büro geht es drunter und drüber. Vor Ort ist alles anders, als das, was du in Deutschland dachtest zu wissen und gebucht zu haben. Da das aber in Ländern, die weniger entwickelt und organisiert sind, als Deutschland, generell so ist, weiß ich nicht, inwieweit man das negativ ankreiden kann. Klar, du zahlst und kriegst nicht das, was du erwartet hast. Das ist blöd. Aber schaut man sich mal Erfahrungsberichte an, hat JEDER damit ein Problem gehabt. Das liegt aber an Bali, wo alles irgendwie immer anders ist, als geplant und behauptet und gesagt. Unsere Radtour war beispielsweise auf 7.30 angesetzt und losgefahren sind wir um 9 Uhr.  Ich denke, hier muss jeder für sich entscheiden, wie er damit umgeht.



Die Mitarbeiter der verschiedenen Projekte geben sich aber unwahrscheinlich große Mühe. Sie wollen wirklich, dass du etwas über Land und Leute lernst und sind mit Herzblut dabei und beantworten dir jede Frage. Das darf man bei allem Negativen nicht vergessen. Oft haben sie sich beim Essen zu uns gesetzt und waren wirklich interessiert an uns als Person. Wollten wissen, wo wir herkommen, ob wir uns wohlfühlen, machten Witze und waren nahbar. Das hat mir sehr gut gefallen und das ist es, was ich wollte: Land und Leute kennenlernen.

Letztendlich hat mir im Ernstfall keiner der beiden Organisationen wirklich geholfen und da es für mich darauf ankommt, würde ich zu beiden eher nicht tendieren. Man muss sich aber darüber bewusst sein, dass Green Lion in Bali bzw rund um Ubud fast die einzige Organisation ist, die Freiwilligenarbeit anbietet (soweit ich weiß). Inwieweit man vom Freiwilligendienst bei 3 Stunden Projekt am Tag reden kann – das muss jeder für sich entscheiden.

Ich hoffe, euch haben die Posts zu Bali gefallen und vielleicht dem einen oder anderen geholfen, einen Eindruck zu erhalten, wie Bali als Land mit seiner Kultur ist und was meine Meinung und Erfahrungen zum Freiwilligendienst angehen. 

Hat jemand von euch schon einmal an so einem Projekt teilgenommen? Vielleicht auch in Europa? Würde mich sehr interessieren, was ihr so erlebt habt!

Demnächst geht es dann mit "normalen" Posts weiter. Ihr könnt euch schon mal auf einen zu meinem Bullet Journal freuen :)

Bis dahin: Macht es gut, bleibt gesund und bis bald!






Samstag, 30. Juli 2016

Persönliches | Bali - die Planung




Hallo ihr Lieben!

Bevor ich das Fazit zu meiner Reise online stelle, schiebe ich einen Post über meine Reiseplanung, Packliste, Budget und Organisationen ein. Vielleicht ist das eine oder andere für euch ja interessant :)

Reiseplanung

Warum und wieso ich unbedingt nach Bali wollte, hatte ich ja in meinem Abreise-Post geschrieben.  
Da ich das erste Mal allein so weit weg von Zuhause unterwegs war, war es mir wichtig, irgendwo zu sein, wo ich nicht alleine bin und etwas zu tun habe. 

Stellt euch mal vor, ihr seid das erste Mal alleine unterwegs, in einem Land, von dem ihr absolut keine Ahnung habt, wie euch das gefällt und hockt in irgendeinem Hotel. Kulturschock. Darauf folgt das Heimweh.

Das wollte ich nicht.

Also habe ich mich für ein Freiwilligenprojekt entschieden, bei dem ich auch etwas über Kultur, Land und Leute lerne und zusammen mit anderen bin. So war ich mit Leuten umgeben, die in derselben Situation wie ich sind, habe etwas zu tun und kann den Kulturschock minimieren, weil ich sanft herangeführt werde.

Und glaubt mir, wenn ihr das erste Mal in Asien seid, habt ihr einen Kulturschock.



Also habe ich mich nach Organisationen umgesehen und geschaut, was am besten zu mir passt. Die Preise waren mehr oder weniger recht ähnlich. Von daher hat man eine recht große Auswahl.

Ich entschied mich für ein dreiwöchiges Programm:
Kulturwoche
Yogawoche (habe nachher aber zur Adventure Week gewechselt)
Schildkrötenfreiwilligenprojekt
(und eine Woche privat für mich)

Dann habe ich mich daran gemacht, etwas über Bali anzulesen (Klima, Sehenswürdigkeiten, etc). Ein paar Hinweise gab mir meine deutsche Organisation, auch was das Packen angeht.

Aber das war für mich nicht so das riesige Problem. Ich verreise schon sehr lange mit meinen Eltern, auch in entferntere Länder, sodass ich eine grobe Idee hatte, was ich brauchen würde und was in industriell nicht so hoch entwickelten Ländern wichtig sein könnte.

Ansonsten habe ich bewusst nicht so viel geplant. Da Bali ganz anders ist, als alles, was ich bisher erlebt habe. Daher wollte ich erst einmal schauen, wie ich darauf reagiere, bevor ich zig Pläne mache und mich das gar nicht interessiert. War im Nachhinein auch besser so.

Dokumente


Dieser Abschnitt ist nicht für Kurzreisen in Europa interessant, sondern eher für längere Reisen in weitere Ferne ;)

Jeder führt auf einer Reise Dokumente mit sich, die man braucht, aber eigentlich nicht braucht - also (Impf-)Pass, Nachweis der Reiseversicherung, Unterlagen zur Reise, etc.

Ich habe alle Dokumente dieser Art kopiert und in eine Infomappe gelegt, die ich meinen Eltern gegeben habe. Für mich war es wichtig, dass Vertrauenspersonen wissen, wo ich wann bin und auf alle wichtigen Informationen Zugriff haben.

Gleichzeitig habe ich diese Dokumente eingescannt und in einem extra erstellten Gmail-Konto abgelegt. Das war im Nachhinein aber ziemlich blöd. Gmail dachte nämlich, dass ich ein Hacker bin, weil ich aus Indonesien darauf zugegriffen habe. Die Sicherheitsfragen, die ich nicht eingestellt hatte, konnte ich demnach nicht beantworten. Dienste wie Dropbox & Co. wären wahrscheinlich besser ;)
Mir war es nur wichtig, dass ich ein Konto habe, das mit nichts auf meinem Handy verknüpft ist und synchronisiert wird. Wenn das weg ist, nützt der Aufwand nämlich wenig.

Gut ist es auch, sich Sperrnummern für diverse Konten in so einem Postfach abzulegen.

Ich habe meinen Eltern auch Vollmachten gegeben, damit sie für den Fall der Fälle auf mein Geld oder andere Dinge Zugriff haben, wenn es mir aus dem Ausland nicht möglich ist. Man weiß nie, was passieren kann.

Bei mir kam das sogar zum Tragen, als es um den Reiseabbruch ging und ich war froh, dass ich diesen ganzen Aufstand gemacht habe.

Außerdem habe ich eine Packliste mit Fotos und den Kosten der einzelnen Objekte erstellt und ebenfalls in das Postfach abgelegt. Auf Langstreckenflügen kann es nämlich gern mal passieren, dass etwas verloren geht. So hätte ich zumindest gewusst, was ich brauche und nicht etwas Wichtiges vergessen nachzukaufen. 

Packliste

Ich gehe jetzt nicht auf Klamotten ein, denn das muss jeder für sich wissen, was und wie viel er mitnimmt, ich möchte dazu nur sagen: Nehmt so viel atmungsaktives Zeug mit, wie ihr könnt. Das trocknet bei 94% Luftfeuchtigkeit besser und schneller als alles andere. Meine T-Shirts waren nach knapp zwei Stunden trocken und ich konnte den Platz für die anderen Klamotten der Mädels räumen.

Ansonsten ist ein Moskitonetz ein Muss. Abgesehen davon, dass es saucool ist, drunter zu schlafen, hat man nicht mit Mücken, Geckos oder sonstigem Viechzeug zu tun. Da die Motten schon mal handtellergroß sein können, eine Überlegung wert ;)
Wir hatten alle möglichen Arten von Moskitonetzen im Zimmer und waren uns einig darüber, dass meine Variante die beste ist: Wie ihr unten sehen könnt, hat meines eine viereckige Form (besser sehen könnt ihr es HIER) Dadurch fällt das Netz nicht direkt ins Gesicht, wenn man schläft, wie es bei Moskitonetzen mit rundem Gestell schnell der Fall ist, da der Winkel anders ist. Schwierig zu erklären :D
Dengue-Fieber ist an sich kein Problem in Bali (Malaria sowieso nicht), aber es gab einige Fälle bei den Volunteers, die deshalb nach Hause geflogen sind. Deshalb ist ein Moskitonetz doppelt angenehm.


Ansonsten empfehle ich ein kleines Medizintäschchen, ein Erste Hilfe Täschchen, Zeltschnur (zum Befestigen vom Moskitonetz, s.o.), einen Haken zum Eindrehen in die Decke oder Klebeband (auch fürs Moskitonetz) und Zwieback.

Dass man sich in asiatischen Ländern irgendwas mit dem Magen einfängt, ist sehr wahrscheinlich. Und glaubt mir: Dann wollt ihr Zwieback. Nichts mit Curry, keine Cracker mit Salz oder Tonnen Zucker, sondern guten deutschen Zwieback. Ist auch erlaubt, diesen einzuführen. Ihr werdet es nicht bereuen :D

Ansonsten kommt es extrem drauf an, wo ihr hinfahrt. Macht ihr AirBnB, dann braucht ihr nicht zwingend Klopapier mitnehmen. Geht ihr in eine Volunteerhöhle wie ich, wäre das aber eine Idee. Da das Klopapier dort sehr, sehr dünn ist, verbraucht man es schnell und nicht immer war Nachschub da.
Falls ihr zu diesem Punkt Fragen haben solltet, schreibt es mir gerne in die Kommentare. So etwas ist sehr individuell und es gibt nicht DIE EINE Packliste für jeden. 

Alex von Worttänzer hat eine tolle Vorlage für eine Packliste erstellt, die sie zum Download anbietet. Wäre ich nicht längst unterwegs gewesen, hätte ich sie definitiv genutzt :)
(so, wo geht es als nächstes hin, damit ich die Vorlage nutzen kann? :D)

Ich hatte knapp 11kg mit und kam damit sehr gut aus.

Budget-Planung

Hierbei muss ich sagen, dass ich mein Budget wenig im Vorfeld geplant habe. 

Ich war für drei Wochen vollständig mit der Organisation abgedeckt für Kost und Logis und das zu einem fairen Preis. Das einzige, was in der Zeit dazukam, waren private Ausgaben.

Da sich die bei mir generell sehr in Grenzen halten, kann ich wenig dazu sagen. Hier muss jeder für sich entscheiden, wie viel er trotzdem auswärts essen möchte, wie viel er weggeht (wobei weggehen in Bali so eine Sache für sich ist ;)) und wie viele Souvenirs er kauft. 

Bali ist extrem billig. Finde ich zumindest. Wir waren beispielsweise in einem organic food Restaurant und haben für Smoothies, Hauptgericht und Dessert pro Nase etwa 7€ gezahlt. Wasser kostet in abgefüllten Flaschen um die 15 Cent und Eintrittspreise belaufen sich oftmals auf 60 Cent. 

Das meiste Geld wird für Taxifahrten draufgehen, da Bali kein Transportsystem hat. Das war mir im Voraus nicht so bewusst und hat mich nach ein paar Tagen tierisch angenervt, weil wir auch nicht so zentral gewohnt haben. 

Für eine 10-20minütige Strecke zahlt man etwa 50.000 Rupiah, das sind 3,40€. Summiert sich, wenn man mal von A nach B will. Dazu kommt, dass man bei jeder Taxifahrt verhandeln muss, für wie viel man mitgenommen werden möchte und dadurch schwanken die Preise sehr. Schlau ist es, sich das Taxi zu teilen, wenn es geht oder bei mehreren und längeren Strecken individuell mit dem Fahrer einen Tagespreis auszumachen. So konnten wir uns zu viert einen Fahrer für 300-400.000 Rupiah am Tag durch vier teilen. (20-30€)

Organisation

Kommen wir nun zu meiner Organisation. Bzw Organisationen. Ich hatte eine deutsche Organisation, bei der ich die gesamte Reise gebucht habe, das Infomaterial erhalten usw. Diese Organisation hat mich dann an eine in Bali weitervermittelt, die für alles zuständig ist, was vor Ort geschieht.

Das Problem ist, dass sich beide Organisationen von meinem Empfinden her nicht ganz einig waren, wann der eine Aufgabenbereich endet und der nächste anfängt. Dadurch kam es immer wieder zu falschen Informationen, was teilweise sehr ärgerlich war. Darauf gehe ich aber genauer im Fazit ein. 

Man muss, sofern man das nicht will, nicht zwingend so in Bali unterwegs sein, nur weil es billig(er) ist. Für eine Woche in einem gut ausgestatteten Hotel (darunter verstehe ich Air Condition, Sauberkeit, vielleicht einen Pool und Frühstück) zahlt man ab 150€ aufwärts. Das ist für eine gesamte Woche mit 4-Sterne-Luxus echt billig.



Falls ihr noch Fragen habt, oder etwas genauer wissen wollt, schreibt es mir in die Kommentare! Dann kann ich den Post erweitern :)

Liebe Grüße,





Mittwoch, 27. Juli 2016

Persönliches | Bali Teil 4



Hallo ihr Lieben!

Kommen wir nun zum letzten Teil meines Abenteuers, wenn man mal vom Fazit und einem organisatorischen Post absieht :D

Heute würfel ich mal ein paar Tage zusammen.

Den letzten Tag unserer Einführungswoche verbrachten wir wieder mit Bahasa lernen und hatten eine nur fünf Minuten andauernde Einführung was unser Volunteering Project angeht. Da ich das aber erst übernächste Woche antreten würde, war ich nicht so kribbelig wie die anderen.

Am Wochenende kümmerte ich mich am Samstag um meine Klamotten, die ich wusch. Ich hatte nämlich sturmfrei^^ und nutzte die Zeit mal richtig aus. Es ist toll, mit Leuten zusammen sein. Aber es ist auch anstrengend. Du stehst mit denen auf, isst mit ihnen, hast Aktivitäten mit ihnen, isst wieder mit ihnen, machst was mit ihnen, isst wieder mit ihnen, hockst abends mit ihnen rum und schläfst im gleichen Raum mit ihnen. Das ist manchmal echt nervig, von daher genoss ich die Zeit.

Die anderen Mädels unternahmen die Vulkan Tour, die ich kommende Woche machen würde. Hatte mich dann doch umentschlossen und vom Yoga zur Abenteuerwoche gewechselt. Ich wollte etwas mehr sehen und erleben. Da die Gegend, wo wir untergebracht sind echt langweilig ist, und man nicht mal so eben in die Stadt kommt (es sei denn, man zahlt für ein Taxi), wollte ich das umgehen.
Nachmittags bin ich mit einer Zimmergenossin nach Ubud gefahren, weil wir zu dem berühmten Yogabarn wollten. Da es am Wochenende keinen Lunch gibt, gingen wir etwas essen, beim Bali Buddha.



Das ist ein Restaurant, was hauptsächlich organic food serviert. Wir entschieden uns für Reiscurry, ich nahm Gado Gado, einem Living Tropical Fruit Pie und Smoothies. Das Menü war als Zeitung aufgemacht, was mich zum Schmunzeln brachte, da ich direkt an Ana und meine Romane denken musste, was meine Zimmergenossin auch gleich bemerkte. Für das Essen zahlten wir 7€ pro Nase und das ist echt wenig, wenn man bedenkt, dass alles öko ist und so viel besser geschmeckt hat als hier. Ich könnte weinen, weil das Gemüse hier so schlabbrig ist. Einmal in Bali gegessen und du bist verdorben!

Da wir etwas trödelten, schafften wir es nicht rechtzeitig zur Yoga Klasse und gingen in den Bookshop unter dem Restaurant. Hach, was für ein kleiner gemütlicher Laden mit lauter tollen, unbekannten Schätzen und liebevollem Krimskrams. Man konnte sich dort Bücher kaufen und wenn man sie gelesen hat, zurückbringen und 50% vom Preis zurückbekommen. Bücher sind in Bali recht teuer. 15€ für ein Taschenbuch empfinde ich für deutsche Verhältnisse recht viel. Aber das wusste ich, da Papierwaren dort generell nicht billig sind.

Wir stöberten herum und die Inhaberin ließ uns alle Zeit der Welt, obwohl sie längst schließen wollte. Hach, die Balinesen sind so herzig.

Dann machten wir uns schon im Dunklen auf den Weg und das war eine echte Tortur. Bürgersteige in Bali haben einfach mal mittendrin ein Loch, mal liegt Schutt im Weg und von den Rollerfahren rede ich erst gar nicht. Eh wir uns mal über die Straße getraut haben, verging eine halbe Ewigkeit.


Auf dem Weg rutschte ich dann auch noch aus und schürfte mir Knie, Handgelenk und Ellbogen auf. Man, ich bin so ein Depp! Völlig verdreckt und blutig kam ich im Yogabarn an. Die einzige Class, die noch stattfand, war die Tibetanische Klangschalen Medition und uns war beiden klar, dass das nichts für uns ist. 

Am Counter fragten wir, was man da macht und der Typ so ganz verwundert „Äh. Meditieren.“
Und meine Zimmergenossin dann „Ja, und?“
Da wurde er etwas grantig. „Naja, man liegt und meditiert.“
Also fuhren wir zurück, aber eh wir einen Taxifahrer fanden, dauerte das auch.

Am kommenden Tag wollten wir zu viert einen Roadtrip unternehmen. Wir fanden einen Fahrer, den wir günstig für den gesamten Tag buchen konnten und fuhren zu einer Silberwerkstatt, weil eine Zimmergenossin dort Schmuck kaufen wollte. Fand ich tierisch langweilig, da ich keinen Schmuck trage (außer ab und an Ohrringe) und mich auch nicht dafür begeistern kann. Interessieren tut es mich ebenfalls nicht und so habe mich die zwei Stunden dort mit Mentos und gratis Wasser begnügt.

Danach fuhren wir zu den Reisterrassen. Endlich! Die berühmten UNESCO Weltkulturerbe Terrassen, Tegalalang. Oder wie wir sie nannten „a lala lala long“.


Es war wunderschön dort. Es war auch der erste Ort, der mich so richtig inspirierte und faszinierte. Es war widerlichst schwül dort, aber unglaublich. Ich hätte dort Stunden rumlaufen können. Leider hatten zwei von uns darauf so gar keinen Bock, weswegen wir nicht das Gefühl hatten, dort so lange verweilen zu können, aber es war ein toller Abstecher dorthin und ich nahm mir vor, in meiner letzten Woche nochmal dorthin zu fahren, um in Ruhe alles zu erkunden. (Spoiler: Dazu kam es nicht)











Sorry, dass oben rechts die Panorama-Ansicht etwas krüppelig ist :/
Die letzte Station war ein Wasserfall, zu dem die Mädels unbedingt wollten. Ich gebe zu, dass es letztendlich schöner war, als ich im Voraus dachte. Ein total ruhiger Ort, den wir für uns allein hatten. Wir sahen die Sonne untergehen und ich fühlte mich wirklich wie im Dschungel, es war toll. Gruselig war der Weg, den wir im Dunklen zurückgehen mussten. Ich war heilfroh, dass ich ein Smartphone mit Taschenlampe habe. Es ist, wenn es in Bali dunkel ist, nämlich wirklich dunkel. Also so richtig dunkel.

Ein von @sarah_force gepostetes Foto am







Am kommenden Tag stand der erste Tag der Adventure Week an. Radtour durch Bali. Was ich mir dabei gedacht hatte, fragte ich, als ich meine atmungsaktiven Sportklamotten anzog.

Wir waren nur zu viert, was ich total angenehm nach den 30 Mann letzte Woche fand. Wir fuhren knapp zwei Stunden im Auto durch Bali, bis jeder von uns ein merkwürdiges Gefühl hatte, wo wir eigentlich waren. Es zog sich ewig. Mittendrin sammelten wir noch drei weitere Teilnehmer ein, von denen einer mehr als gruselig war. Er redete die ganze Zeit mit sich selbst und zog seinen Schnodder hoch. Essen tat er mit den Händen und das auch noch sehr animalisch. Er war Mitte 40.

Das Frühstück, war wir auswärts aßen, war widerlich. Keiner von uns aß es, es fühlte sich zu sehr nach Dschungelprüfung an. Wir stibitzten uns lieber die Bananen vom Baum, um für die Radtour gestärkt zu sein, da wir kein Frühstück in der Kantine bekommen hatten. 

Wir hielten am Vulkan an und schossen einige Bilder.


Dann wurden uns die Räder zugeteilt und wir fuhren uns ein. Dann ging es direkt los. Die Abfahrt war SO steil, da wurde mir ja ganz anders. Ich war schon drauf und dran, zu laufen, aber alle anderen fuhren los und ich wollte nicht alleine als Schisser zurückbleiben. Also: Augen zu und durch.

Die Radtour war so entspannt. Es ging zu 97% bergab, weswegen man hauptsächlich bremsen musste. Da mein Sattel irgendwie kaputt war, konnte ich nur auf niedrigster Stufe fahren und fühlte mich wie ein Hobbit (und bekam einen handtellergroßen blauen Fleck als Dank am Bein), störte aber kaum.

Wir fuhren durch Reisfelder, abgelegene Dörfer. Dort kamen die Kinder rangestürmt und streckten die Hände aus, sodass wir sie abklatschten konnten. Man fühlte sich ja beinahe wie bei der Tour de France.

Wir wurden dann nach knapp 2 Stunden eingesammelt und nahmen Lunch in einem Restaurant ein, den wir mit malerischer Aussicht genossen. Um 15 Uhr kamen wir etwa zurück in unsere Unterkunft.


Am Abend merkte ich schon, dass ich etwas Bauchweh hatte, dachte mir aber nichts bei. Dass man bei dem komplett anderen Essen und überreifem Obst nichts mit dem Magen hat, war eh utopisch.

Leider wurde es bei mir bisschen dramatischer.

Ich verbrachte die gesamte Nacht im Bad, weil mir das Essen aus allen erdenklichen Körperöffnungen kam. Als ich zuerst dachte, das sei nur mal was Falsches gegessen, stellte sich dann, als ich sogar normales Trinkwasser erbrach, raus, dass es mehr war, als ein sensibler Magen.

Am nächsten Tag half mir eine liebe Seele dabei, zum Arzt zu gehen. Ich war zu nichts mehr zu gebrauchen, völlig entkräftet, dehydriert und fertig. Der Arzt untersuchte mich, stellte fest, dass ich Fieber habe und akuten Durchfall mit Erbrechen. Ich bekam einen Berg an Medikamenten mit und fuhr nach Hause.

Ein von @sarah_force gepostetes Foto am


Dort nahm ich alles ein, ruhte mich aus und schlief viel. Die kommenden Aktivitäten konnte ich aber erst einmal vergessen.

Man, was hab ich den Zwieback herbeigesehnt, den man in solchen Situationen isst. Mit fünf anderen Leuten, 100% Luftfeuchtigkeit, 33 Grad, Ventilatoren und Kantine 2km entfernt, war das echt kein Spaß. Es gab ja nichts "normales" zu essen.

Und an dieser Stelle muss ich echt sagen, dass ich unglaublich wütend auf Green Lion bin, die Organistation in Bali. Man sagte denen im Office, dass ich krank im Bett liege und nicht in der Lage bin, es zu verlassen. Anstatt die ein Taxi zu meinem Haus schicken, musste ich zum Office (1km!), dort um ein Taxi bitten und dann mit einer Dolmetscherin, die kein Englisch kann, zum Arzt. Im Behandlungszimmer war ich allein.

Ja, mein Englisch ist gut. Aber ich hatte die gesamte Nacht nicht geschlafen und war fertig mit der Welt.

Man sagte auch denen in der Kantine, dass ich was zum Essen brauche, was nicht total exotisch ist. Packen die Nudelcurry und Wassermelone ein. Ja, für Balinesen normal, aber die wissen, dass wir Touristen sind, verdammt. 

Ich war die kommenden Tage zu schwach, um zur Kantine zu gehen und zu organisieren, dass mir jemand was brachte, war schwierig. Ich aß ein wenig Weißbrot, landete aber alles wieder draußen, bevor es verdaut wurde. Die Medikamente wirkten so natürlich auch nicht und ich kann nur wieder sagen: Das bei 33 Grad, 100% Luftfeuchtigkeit und Mehrbettzimmer mit Mehrpersonen-Bad. Ein Traum!

Ich war frustriert, genervt und wütend. 

Nach einigen Überlegungen entschied ich mich dann schweren Herzens dazu, die Zelte abzubrechen und zurück nach Deutschland zu fliegen.

Hauptgrund war der, dass es mir eigentlich mit jedem Tag schlechter ging und ich bis Sonntag gesund werden musste, da es am Montag nach Nusa Penida zum Schildkrötenprojekt gehen sollte. Da dort keine medizinische Versorgung existiert und jeder meinte, dass Unterbringung und Essen schlechter sein sollen als hier (teilweise war von Bettwanzen die Rede), sah ich keinen Sinn darin, mich mit solchen Aussichten zum Gesundwerden zu prügeln.

Ich hatte alles in dem Moment so satt und fand es echt fahrlässig, dass niemand vom Office mal nach mir sah und die so unbeweglich waren. Wenn meine Roomies ihre Projekte haben und was erleben wollen, was ich verstehe und total richtig so ist!, habe ich keinen, der mir helfen konnte. Es ist auch nicht Sache meiner Roomies, Krankenschwester zu spielen. Aber es ist Sache der Organisation Sorge zu tragen, dass es uns gut geht.

Ich ging dann am Donnerstag zum Office und unterschrieb meine „Entlassungspapiere“. Geldzurückerstattung? Kannste knicken. Dazu aber mehr im Fazit.

Wenigstens musste ich die Taxifahrt nach Denpasar nicht bezahlen. Waren auch nochmal rund 30€. Immerhin. Der Taxifahrer konnte aber kaum Englisch, lesen auch nicht wirklich und so setzte er mich einfach am Flughafen ab und ich musste mich dann zum Hotel durchfragen. Seit fast drei Tagen kaum was gegessen, getrunken nur wenig (kam ja auch alles raus) und das in dem Klima und mit allem Gepäck.

Ich war echt am Ende meiner Kräfte.

Als ich dann im Hotel ankam, kümmerten sich die Ladies ganz liebevoll um mich. Gaben mir sofort Erfrischungstücher, was zu trinken und waren besorgt und fanden es schade, dass es mir so ging. Ich muss einen echt jämmerlichen Eindruck abgegeben haben.

Das Zimmer war super. Allein schon wegen der Air Condition. Ich hatte ein Bad für mich, ein riesiges Bett und ich war so fertig und glücklich, endlich mal in einem normalen Klima zu sein, dass ich sofort schlief.



Dort verbrachte ich dann die Zeit bis Montag. Gemacht habe ich nichts. Ich habe gefeiert, dass ich HBO hatte und die vorletzte Game of Thrones Folge der sechsten Staffel gucken konnte, aber unternommen habe ich nichts mehr. In Denpasar ist es noch schwüler als in Ubud, mein Kreislauf kam damit gar nicht zurecht. Der gesamte Flughafen ist nicht akklimatisiert. Allein dort umher zu laufen, um was zu essen zu kaufen, hat mir enorm zugesetzt. An Unternehmungen war kaum zu denken. Lieber genoss ich meine AC und Internet und Fernsehen.

Nicht ganz das, was ich mir vorgestellt habe, aber die Antibiotika machten mich auch tierisch träge und müde, weswegen ich sowieso fast nur schlief. Schließlich wollte ich für den Flug einigermaßen fit sein.

Den buchte ich dann um und flog am 20.6. nach Hause. Ich hatte sechs Stunden Aufenthalt am Flughafen in Doha. Um wach zu bleiben, lief ich den gesamten Flughafen ab und machte es mir zum Spaß, die Bahn, die dort fuhr, in allen erdenklichen Modi zu filmen und fotografieren, die das iPhone so hergibt.

Hat bisschen was von Panem, oder?
4 Uhr früh. Fast geschafft!


Ein wunderbarer Moment nach einer langen Nacht.

Völlig zerschlagen und kaputt kam ich in Berlin an, wo ich das Deutschland-Spiel im komatösen Zustand verbrachte.



Ja. Leider endete die Reise überhaupt nicht so, wie ich wollte und das ist auch ein Grund, weswegen ich den Bericht erst jetzt online stelle. Ich hatte ein wenig zu tun, das zu verarbeiten.

Mittlerweile bin ich wieder vollständig gesund und überarbeite fleißig weiter :)

Liebe Grüße,



Samstag, 23. Juli 2016

Persönliches | Bali Teil 3



Hallo ihr Lieben!

Es geht weiter mit meinen Erlebnissen in Bali.

Am Mittwoch hatten wir um halb zehn unseren Kochkurs. Wir gingen zu dem „Reisfeldhaus“ und fleißige Helferchen hatten auch hier wieder ganze Arbeit geleistet: Entlang der einen Seite des Hauses waren kleine Tischchen aufgestellt worden, wo wir uns zu viert hinsetzten und schon Bretter und Messer vorfanden. An der Tafel stand geschrieben, was wir kochen würden.

Leider fand jeder den Kochkurs extrem enttäuschend. Unsere Koordinatoren teilten die Zutaten aus, die geschnippelt werden mussten, doch damit jeder was zu tun hatte, kam man vielleicht auf eine halbe Knoblauchzehe oder fünf Bohnen pro Person. Das ist schnell erledigt. Das Kochen selbst übernahmen unsere Koordinatoren, da wir nur eine Herdplatte zur Verfügung hatten – für rund 30 Leute etwas wenig.

Also saßen wir rum, unterhielten uns, langweilten uns auch ein wenig, manche schliefen, andere hielten ihr Gesicht in den einzigen Ventilator der an der Außenwand angebracht war.

Nach knapp einer Stunde konnten wir dann kosten, was wir nicht zubereitet hatten ;)


Zum einen waren es frittierte Bananen, die unglaublich lecker waren. Ohne triefendes Fett, voller Aroma und knuspriger Kruste. Mjam. Außerdem Tempe Manis, eine Art geröstetes Tofu…ding. War ziemlich kross und leicht scharf, hat mir aber nicht ganz so geschmeckt. Eignet sich eher als Snack, wie Chips. Und dann noch Gado Gado und ohweh. Darin habe ich ja mein neues Lieblingsessen gefunden. Sojasprossen, Bohnen, Erdnusssoße (und wahlweise Reis). Ich habe noch nie in meinem gesamten Leben so geile Sojasprossen gegessen. Wusstet ihr, dass die Dinger richtig knackig sein können und sogar Geschmack aufweisen? Also ich nicht. Ich habe mich total in das Gericht verliebt und zu wissen, dass es in Europa niemals so schmecken wird, tut echt weh :D

Nach dem Kochen schloss ich mich zwei meiner Roomies an und fuhr mit ihnen zur Elefantengrotte Goa Gajah. Wir besorgten uns einen Fahrer und los ging es, knapp eine Dreiviertelstunde. Wir alberten mit ihm herum und quatschten über die bisherigen Erlebnisse.


An der Goa Gajah angekommen legten wir uns den Tempelschal um und los ging es. Das Gebiet ist relativ groß, mit ein paar (ich nenn es jetzt mal so) Wasserbecken, der Grotte und einigen Tempeltürmchen. Es war wirklich unspektakulär…


Ich muss sagen, dass ich wirklich andere Vorstellungen hatte, was die Tempel angeht. Hier ist irgendwie alles gleich ein Tempel. Ob es wirklich hübsche Bauten sind, ein Felsbrocken oder eine Grotte, in der Tiere leben, alles ist heilig und ehrlich gesagt bin ich im Nachhinein immer enttäuscht gewesen. In den Reiseführern wird das immer glorifiziert, was man sieht.

Natürlich haben solche Gebiete eine wichtige religiöse Bedeutung für die Menschen, die daran glauben. Aber letztendlich ist es wie in Rom: Es gibt tausend Kirchen, hat man fünf von ihnen gesehen, reicht das eigentlich. Nur weil in einer Kirche ein kleines Detail anders ist als in den anderen, muss man da nicht unbedingt hin. 



Unser Fahrer brachte uns dann noch zu einem kleinen Paradies und wir alle waren uns einig, dass dieser Ausflug viel genialer war als die Goa Gajah an sich.


Direkt neben der Straße, etlichen Marktständen und der Sehenswürdigkeit ging es durch einen Weg hinein in eine kleine Oase. Wir wurden direkt von einer Frau herumgeführt, uns wurden diverse Pflanzen gezeigt, zB Zimt, Vanille und Kaffee und wir bekamen gezeigt, wie der Kaffee geerntet und dann geröstet wird. Ausprobieren durften wir das auch. 

Die Attraktion an diesem Paradies ist aber das Luwak. 


Ein kleines Tierchen, das die Kaffeebohnen isst, ausscheidet und aus diesen Bohnen wird der Luwak Kaffee hergestellt. Der teuerste Kaffee der Welt und etwas, wofür die Gegend rund um Ubud berühmt ist. Wir nannten den Kaffee liebevoll Shit-Coffee.

Wir setzten uns dann auf die Terrasse und genossen die phänomenale Aussicht und entschieden uns für ein rundum-Testing der Getränke. Während die gebracht wurden, kam die Frau mit einem Luwak auf dem Arm zu uns und wir durften es anfassen und streicheln. 


Das Testen der Getränke war mega. Wir konnten verschiedene Teesorten und Kaffee probieren. Da ich keinen Kaffee trinke, kann ich dazu nichts sagen aber der Lemongrass Tea war eine Wucht. So aromatisch und vollständig natürlich. Wie Eistee nur ohne Chemie und SO erfrischend, obwohl er heiß war. Der Ingwertee war tierisch scharf, außerdem hatten wir noch heiße Schokolade und alles war so lecker. Ich habe mir aber extra nichts im Shop gekauft, weil ich das niemals trinken würde, da ich weiß, dass ich keinen Nachschub bekomme. Wahnsinn. Seid ihr jemals in Bali: Geht dorthin. 

Dann mussten wir uns etwas beeilen und fuhren zurück, da der Walk durch die Reisterrassen anstand.
Ziemlich schnell stellte jeder von uns fest, dass das Programm hier auch wieder etwas mehr versprach, als es war. Ich denke jeder kennt die berühmten Reisterrassen von Fotos. Wir sahen aber die ReisFELDER. Ist ein himmelweiter Unterschied.

Es war trotzdem wunderschön. Die Aussicht war genial, das Laufen war genial, wir erfuhren etliche interessante Fakten zum Reisanbau und der Reisernte. Aber es sind eben keine ReisTERRASSEN.
Am schönsten war der Abschluss, als wir dem Sonnenuntergang entgegenliefen und wunderschöne Fotomotive geboten bekamen. Ich lasse einfach mal die Bilder sprechen.

Zum Vergrößern auf die Bilder klicken :)










Es klingt jetzt vielleicht so, als wäre ich von Bali enttäuscht. Das ist es aber nicht ganz. Ich bin trotzdem begeistert und finde es unglaublich interessant, mehr von dieser Kultur zu erfahren. Es ist nur alles komplett anders, als ich es annahm. Dazu aber mehr in meinem Fazit.

Was mich an meiner Zeit in Bali sehr, sehr erfreut hat und enorm gut getan hat, waren die anderen Volunteers. Auf das Volunteering an sich gehe ich auch im Fazit genauer ein, aber ich habe selten so viele interessante Menschen auf einem Haufen vorgefunden wie hier.

Ich erinnere mich gern an einen Abend zurück, an dem wir um halb elf allesamt draußen auf unserer Terasse saßen und quatschten. Auf Deutsch und Englisch, munter durcheinander. Wir diskutierten Harry Potter Theorien, lästerten über Twilight, schüttelten mit dem Kopf über Shades of Grey und das war eine der schönsten Abende, die ich dort hatte. Wir haben so viel gelacht und so viel rumgealbert, das war so toll. Mitten in der Nacht haben zwei dann noch Yoga gemacht und ich saß bis um zwei mit denen draußen und wir sprachen über meine Romane.

Allein wenn ich das jetzt schreibe, habe ich schon wieder Tränen in den Augen, weil das so ein besonderer Abend war. Das erste Mal seit mehr als zehn Jahren interessierten sich fremde Menschen dafür, dass ich schreibe. Fanden es nicht langweilig oder bescheuert, sondern richtig cool und spannend. Sie wollten alles wissen, fieberten mit, dass ich das Buch hoffentlich veröffentlichen kann und wollten unbedingt daran teilhaben. Selbst die, die kein Deutsch konnten. Und alle waren sich darüber einig, dass ich an dem Abend das erste Mal so richtig aufgeblüht bin.

Eine meinte „Man merkt, dass das du bist. Dass du nicht schreibst, weil du es magst, sondern dass du schreibst, weil du ein Autor bist. Scheiß drauf, ob veröffentlicht oder nicht.“

Es hat SO gut getan und SO viel Inspiration gegeben, einfach mal zu reden, worum sich meine Romane handeln. Einige Dinge im Detail zu diskutieren und Anerkennung zu bekommen, dass es krass ist, dass ich fünf beendete Projekte in der Schublade liegen habe.

Die Nacht war kurz, wir redeten bis knapp zwei Uhr morgens. Während es stockdunkel war, schauten wir den Hitzegewittern am Himmel zu und hörten die Hähne schreien.




 
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