Mittwoch, 30. März 2016

Das Schreiben | Der Ideenfriedhof



Hallo ihr Lieben!

Heute möchte ich euch meinen Ideenfriedhof vorstellen.

Als Autor spricht man meist nur von den Texten, die gerade in der Werkstatt bearbeitet werden, veröffentlicht wurden oder sonst auf irgendeine Art realisiert sind. 

Man bekommt aber auch zahlreiche Inspirationen zu Romanprojekten, Charakteren, Settings und Themen, die sich im ersten Moment super anhören, aber dann doch nicht realisiert werden (können). 

Sich das einzugestehen, vor allem, wenn man schon einige Zeit an der Planung gesessen hat, ist nicht so einfach, wie man das als Außenstehender vielleicht denkt. Es ist, als ob man sich vorgenommen hat, 10km zu laufen, obwohl man schon bei 3km vollkommen aus der Puste ist.

Deshalb dachte ich, ich stelle euch einige der Projekte vor, die es bei mir leider nicht zur Realisierung geschafft haben und weshalb ich mich zu diesem Entschluss durchgerungen habe. 

(vielleicht werde ich diesen Post immer mal wieder ergänzen. Falls euch eine Idee anspricht, egal ob ihr selber etwas schreiben wollt, etwas zeichnen oder sonst etwas: Bedient euch gern :D)

Etliche Ideen zu Krimis-, Mystery- und Horrorromanen
Das war meine absolute Fear-Street-Phase, die mir das eingebrockt hat. Zu dem Zeitpunkt war ich etwa 14 / 15 Jahre alt und habe die Bücher von R. L. Stine geliebt. Aus der Gänsehaut-Reihe war man ja gerade herausgewachsen und das war was für Babys. Fear Street war Trend und da zog man natürlich mit.
Ich hatte Ideen für Werwolfgeschichten, Wettstreits, bei denen einer sterben musste und Mutproben, bei denen es einer nie geschafft hat, zurückzukehren. An sich alles spannende Ideen, die ich irgendwo noch immer mag. Knackpunkt ist aber: Ich mag weder Krimis, noch Horrorromane. Fear Street zähle ich in dem Sinne nicht zu Horror, wie z.B. Steven King. Was man nicht liest, kann man auch nicht schreiben, deshalb landeten die Ideen auf dem Ideenfriedhof.
(Das Rinnsal ist die einzige Idee, die ich wirklich geschrieben habe und stolz bin ich darauf nicht wirklich)


Weltenbummler (AT*)
Oah, was habe ich die Serie Die Expedition der Stachelbeeren geliebt. (Und einer meiner Lebenswünsche ist es, endlich die gesamte Serie als DVD mit deutscher Tonspur zu besitzen). Ich wollte unbedingt von einer Familie schreiben, die um die Welt reist und Tiere filmt und das Mädchen sollte mit Tieren sprechen können.
Ich war damals 10 oder 12 und wusste nicht, dass sowas unter Plagiat fällt. Außerdem habe ich gemerkt, dass es in dem Alter sehr schwierig ist, über Borneo zu schreiben, wenn man selber noch nie dort war und den Regenwald nur aus dem Fernsehen kennt.


Herrenhaus (AT)
Der Roman sollte in einem Herrenhaus spielen und ganz grob an "Das doppelte Lottchen" angelehnt sein: Geschwister, die sich erst nach Jahren finden, eine lebt in armen Verhältnissen, die andere im Herrenhaus. Die beiden sollten dann voneinander die Stärken und Schwächen lernen und sich gegenseitig auf den richtigen Weg bringen. Letztendlich war mir das dann aber doch etwas zu stereotypisch. 

Ballett (AT)

Was viele nicht vermuten, wenn sie mich sehen: Ich fasziniere mich sehr fürs Ballett. Ich schaue so gut wie jede Tanzserie oder Tanzfilm und war auch schon dreimal im Ballett und vollkommen hingerissen. Ich hatte sogar schon ein halbes Romankonzept fertig geplottet und (jetzt wird’s peinlich) sogar Ballettstunden genommen, um zu wissen, wovon ich schreibe, bis ich gemerkt habe, dass ich zu wenig darüber weiß und die Bandbreite nicht im Roman wiedergeben kann. Ich wäre in ungenaue und klischeehafte Beschreibungen abgedriftet und das wollte ich nicht. Das einzige, was ich mitnehmen konnte, waren die Schmerzen nach den Ballettstunden an Orten, wo ich überhaupt nicht wusste, dass da was wehtun kann.

Serienteil (miesester AT überhaupt)
Vor mehr als zehn Jahren hatte ich mit einem guten Freund angefangen, Fan-Fictions zu Schauspielern und Filmen zu schreiben. Wir dachten uns eigene Personen aus, die ein prominentes Vorbild hatten und beschrieben den Alltag als Schauspieler, Sänger oder Model. Das hat sehr viel Spaß gemacht und ich hatte dann vor, mit dem Konzept ein Romanprojekt zu starten, nur mit anderen Charakteren. Ich wollte den Fokus stärker auf das Drehen von Filmen lenken, weil ich Outtakes und Making Ofs bei DVDs meist interessanter finde als den Film, den ich meist schon kenne. Doch stieß ich hier schnell an meine Grenzen. Wie will man, trotz Recherche und etlichen Bonusmaterialien auf DVDs einen Alltag am Set schildern, wenn man das noch nie hautnah erlebt hat? Daher blieb es beim Versuch. 


Bandbuch (AT)
Ähnlich erging es mir auch hiermit: In (Un)Zertrennlich? ist die Nebenhandlung eine Schülerband, die es schafft, sich langsam nach oben zu arbeiten. Als ich den Roman fertig geschrieben hatte, war ich noch riesiger Silbermond-Fan und zu der Zeit (2009) liefen regelmäßig Podcast auf der Website, die ihren Bandalltag zeigten. Ich wollte unbedingt einen Roman schreiben, wo eine „berühmte“ Band auf Tour geht, zusammen wohnt, eine mit ihrem Ex Probleme hat und ungewollt schwanger wird und das alles gebündelt mit einem Rockstar-Alltag. Ich merkte aber schon, dass das Konzept ein Traum bleiben würde. Um etwas wirklich gut beschreiben zu können, muss ich es nicht nur durch Videos übernehmen, sondern erlebt haben. Auch wenn es schade um einige echt gute Szenen ist, wanderte auch das Projekt auf den Ideenfriedhof. (Ich hatte sogar ein Aufeinandertreffen der Schülerband und der Band in diesem Projekt geplant. Naja, das hebe ich mir für was anderes auf :D)

Bermuda Dreieck (AT)
Mich hat das Setting sehr fasziniert. Ich mag allgemein alles, was mit mysteriösen Verschwörungstheorien zu tun hat. Ich habe mich auch schon immer sehr für Meeresbiologie interessiert, weshalb ich dachte, dass es eine super Idee ist, diese beiden Dinge miteinander zu vereinen. Schnell habe ich aber gemerkt, dass die Idee sehr viel Recherche erfordert, für die ich nicht wirklich die Geduld hatte, da mir an anderen Projekten, die weniger aufwendig sind, mehr liegt.

Starcatcher (AT)
Hier tut es mir ein wenig weh, dass ich die Idee auf den Ideenfriedhof verschoben habe. Ich mag den richtigen Titel, das Gesamtgefüge der Handlung, die Themen und auch die Protagonistin. Aber ich habe festgestellt, dass ich das gesamte Romanprojekt nur aufgrund einiger Szenen und Charaktermerkmale realisieren wollte. Und das ist dann doch ein bisschen ZU wenig :D ich hätte mich tierisch durch die Füllszenen kämpfen müssen, um den schönen Momenten eine Basis zu verleihen und da kann einfach nichts Brauchbares rumkommen (ehrlich gesagt habe ich auch wenig Motivation, mir eine richtig schlüssige, emotionale und packende Handlung auszudenken). Daher bye bye zu diesem Projekt. 




Es gibt aber auch Ideen, aus denen kein gesamter Roman werden kann. Wenn das der Fall ist, schreibe ich sie in mein Ideenbüchlein und schaue immer mal wieder nach, ob ich diese mit anderen fusionieren kann, um mir die Arbeit zu sparen. Klingt im ersten Moment zwar faul, aber das Leben ist sowieso zu kurz, als dass ich jedes Projekt geschrieben bekomme. Von daher ist es eher Mittel zum Zweck. Davon werde ich aber in einem anderen Post berichten :)



Liebe Grüße,




* AT = Arbeitstitel


Mittwoch, 23. März 2016

Die Zeitungswanderin | Neuplanung




In den letzten beiden Posts berichtete ich euch von der Idee und dem Schreibprozess von Die Zeitungswanderin. Heute möchte ich euch von der Neuplanung erzählen, die ich 2011 vornahm.

Nachdem ich mich wieder in meine alte Idee verliebt hatte, wusste ich, dass ich sie nicht sterben lassen konnte. Denn auch wenn ich mir vehement eingeredet hatte, dass mir das Projekt egal sei, weil es so schlecht war; losgelassen hatten die Figuren mich nie.

Also grub ich meine alten Anastacia-CDs aus, da ich wusste, dass das nur ging, wenn sie und ich wieder ein Team bildeten. Ich weiß, dass dieses ganze Anastacia-Ding für manche seltsam wirkt und es so aussieht, als wäre ich eine besessene Irre. Entwarnung: Das bin ich nicht :D

Es ist nur so, dass Anastacia ein unglaublich selbstbewusster Mensch ist. Das färbte ziemlich stark auf mich ab und irgendwann ging es mir gar nicht mehr um sie und ihre Musik, sondern um ihre Wirkung auf mich: Ich fühlte mich wohl in meiner Haut und unbesiegbar und das ist etwas, was einem nie schaden kann. Egal, durch was es hervorgerufen wird.

Ich wusste, dass ich die Neuplanung nur mit dieser Haltung schaffen konnte und es funktionierte.


Nächtelang machte ich mir Notizen über Notizen, plante jedes Detail, jede Zeitung und alles andere, weil ich nicht nochmal diesen einen Fehler machen wollte: Plan- und kopflos schreiben und alles wieder in die Tonne hauen. Nicht schon wieder und nicht schon wieder bei diesem Projekt. Denn das wäre diesmal endgültig gewesen und das wusste ich.

Es folgten etliche Steckbriefe und Handlungsübersichten der einzelnen Figuren. Ich strich alle Kapitel, die zu sehr Fan-Fiction waren und baute meine eigenen Ideen ein. Und das Irre ist: Es lief fast wie von allein. Die Ideen strömten aus meinem Kopf, in die Hand und aufs Papier. Ich glaube fast, dass sie die ganzen Jahre in mir geschlummert hatten und nur darauf warteten, herauszukommen. Es tat so gut.

Es flossen auch etliche Tränen. Ich weiß noch genau, dass ich ganz oft in meinem Bett saß und bitterlich geweint habe. Ich war so glücklich, dass ich diesem Projekt noch eine Chance gegeben und das ganze Universum nicht weggeschmissen hatte. Gleichzeitig spürte ich, wie sehr ich die Figuren und diese Welt vermisst hatte. Auf eine gewisse Art stecken so viele kindliche und naive Gedanken darin, aber genau das ist es, was man als junge Erwachsene vermisst. Das Unbedarfte, die Möglichkeit, Fehler zu machen und das Selbstbewusstsein, unbesiegbar zu sein. Das, was man nur durch Kinderaugen auf diese eine besondere Art spüren kann.

Es war das, was ich zu dem Zeitpunkt auch im Alltag brauchte und allein dafür bin ich dankbar, dem Projekt eine neue Chance gegeben zu haben.

Die Planung fing etwa Mitte des Jahres an und ich wurde erst gegen Ende des Jahres fertig. Einige Dinge plante ich bewusst noch nicht, weil ich erst einmal abwarten wollte, wie sich das Ganze anfühlt.

Karte von Topia
Ich strich und kürzte Passagen aus der ersten Fassung, verwarf etliche Ideen, sparte mir einige auf und packte manche auf den "Vielleicht-Stapel". Es gibt noch heute den Ordner "nicht verwendet", wo alle Fassungen vor sich hin dümpeln und die einzelnen Kapitel vollkommen zerpflückt in "verwert- und vertretbar" und "geht gar nicht" eingeteilt wurden.

Im Zuge dieser Neuplanung wurde mir etwas klar: Aus dem Buch konnte absolut kein Einteiler werden. Dazu brodelten zu viele Fragen in mir, die ich selber beantworten wollte, für mich. An die Leser dachte ich in diesem Moment gar nicht. Ewig ließen mich diese Fragen nicht los. Es war eine Mischung aus „du musst diese Fragen beantworten, sonst findest du keinen Seelenfrieden mehr“ und „boah, noch zwei Teile? Der erste war schon so eine schwere Geburt…“

Zaghaft begann ich zu planen und auch hier floss alles aus meinen Fingern. Doch das ist eine andere Geschichte, die ich euch im Zuge von Die Lichtmagierin und Die Weltenbewahrerin erzählen werde.

Jedenfalls war Die Gestaltwandlerin dazu geboren, eine Trilogie zu werden und es fügte sich alles perfekt.

Nach einiger Zeit juckte es mir dann in den Fingern. Ich wollte endlich schreiben. Ich wollte Ana und mir endlich zu einem Ende verhelfen, mit dem ich zufrieden sein konnte. Also tat ich das dann auch. 

Es war seltsam, die dritte Fassung von Die Gestaltwandlerin zu schreiben. Auf der einen Seite war ich zuversichtlich und liebte jede Zeile, jedes Wort und jeden Buchstaben. Es machte mich so unfassbar glücklich, alles aus mir herauszulassen. Oftmals saß ich tanzend vorm PC (ja, das geht!) und freute mich so sehr, dass ich dachte, ich müsste platzen.

Manchmal plante man auch Dinge, die absolut keinen Sinn ergaben :D
Dann waren aber da die Momente, in denen ich traurig war. Ich dachte daran, wie ich die erste Fassung schrieb; voller Selbstbewusstsein und dass ich das, was ich schrieb, lebte. Ich lebte es, weil ich es mit anderen Menschen teilte, Menschen, die sich dafür interessierten und mir dadurch Motivation gaben. Doch diese Menschen gab es nicht mehr und auch ich war anders geworden.
Es war schwer, weil diese Gefühle so konträr zueinander waren und das beschäftigte mich sehr. Ich wollte, dass es sich wieder so anfühlte wie damals und gleichzeitig wusste ich, dass das niemals wieder so werden konnte, weil das Kind in mir größtenteils verschwunden war und das tut manchmal noch heute weh. 

Auf gewisse Art und Weise verarbeite ich aber genau das in dieser Trilogie; denn wie ich, musste Ana erwachsen werden und lernen, Verantwortung zu übernehmen. Und auch wenn ich nicht alle Welten retten muss, stellte das Leben mich vor andere Prüfungen und auch ich musste lernen, erwachsen zu werden und Verantwortung zu übernehmen. Wer sich da besser geschlagen hat: Keine Ahnung. Jedenfalls möchte ich nicht mit Ana tauschen :D

Mit diesen zwiespältigen Gefühlen stellte ich 2012 ENDLICH die erste richtige Fassung fertig. Ich kann euch gar nicht sagen, wie sich das angefühlt hat. Erst einmal, dass ich überhaupt was so richtig fertiggeschrieben habe und dann, dass ich VERDAMMT NOCHMAL DIESES EINE PROJEKT ENDLICH FERTIG HATTE!!!

Ich war glücklich. Glücklicher als jemals zuvor.



Und mit diesem Erfolgserlebnis endet die Serie zum Entstehungsprozess Die Zeitungswanderin bzw. zu diesem Zeitpunkt noch Die Gestaltwandlerin



Wenn es noch etwas gibt, was euch in Bezug auf diese Postreihe interessiert: Nur raus damit, ich freue mich auf eure Fragen! :)





Mittwoch, 9. März 2016

Amicitia | Charaktervorstellung Sha



Hallo ihr Lieben!

Das letzte Mal durftet ihr Elias kennenlernen (HIER), heute dürft ihr Bekanntschaft mit Sha machen.


Sha



Ich habe wirklich alles versucht, Sha zu einer Vorstellung zu bewegen. Selbst die Aussicht, dass sie nicht viel schreiben muss, war nicht verlockend genug. Die zwei Interview-Termine, die wir ausgemacht haben, hat sie vergessen (was anderes hätte mich auch sehr gewundert).

Sie hat mir aber die Playlist ihres Lebens zugeschickt. Denn Sha ist der Meinung, dass „anderer Leute Playlists hören so etwas ist, wie deren Tagebuch zu lesen“. 

Irgendwie passt genau das sehr gut zu Sha. Denn eigentlich ist sie eine lebende Playlist: Bei ihr läuft grundsätzlich immer Musik und für jede Gelegenheit entwirft sie Playlists, die sie durch ihr Leben begleiten. Es halten sich hartnäckige Gerüchte, dass sie sogar eine Zahnputz-Playlist entworfen hat...

Mal schauen, ob ich aus der Playlist, die sie mir zugeschickt habe, schlau werde...


Opening Credits:

Waking up:

First day of school


Falling in love

Friendship

Fight Song


Prom



Life


Mental Breakdown


Driving


Lose your virginity


Wedding

Final Battle


Death Scene


Funeral Song*


End Credits



Ach, herrje. Diese Playlist ist wirklich durch und durch Sha :D









* Das Lied in Kombination mit "Funeral" soll keine unpassende Anspielung auf den kürzlich verstorbenen David Bowie darstellen - die Playlist entstand lange vor seinem Tod.


Mittwoch, 2. März 2016

Das Schreiben | Anastacia (1)





Anastacia.

Jedes Mal, wenn ich diesen Namen schreibe, überfallen mich etliche Gefühle, Erinnerungen und Gedanken. Diese Frau, diese Sängerin, hat mir enorm viel mit auf den Weg gegeben und Vieles in mir bewirkt und freigesetzt, wovon ich euch in dieser Postreihe berichten möchte. Selbst wenn ihr sie nicht mögt, könnte es insofern interessant sein, weil sie und ihre Musik ganz eng an zwei Projekte gekoppelt sind, die mir unglaublich am Herzen liegen. Sollte das für euch spannend sein, dürft ihr gerne weiterlesen :)

Alles begann 2004. Ich war im Urlaub in Schweden und saß allein im Auto. Das Radio war an und es wurden die Charts der Woche verkündet. Es lief Sick and tired von Anastacia. Hatte ich bis dahin nur mit halbem Ohr zugehört, setzte ich mich plötzlich kerzengerade hin und hörte genau zu.



Das Intro nahm mich sofort  gefangen, ich liebe diese Gitarrensounds und wie sich ihre Stimme langsam ins Ohr schleicht. Plötzlich sah ich Bilder vor mir; einen Sternenhimmel im Zeitraffer, der sich um die Erde drehte. Klingt ein wenig verrückt, aber es wirkte alles so harmonisch und beruhigend, obwohl der Liedtext alles andere als das ist. 
(der Sternenhimmel wurde übrigens in Die Weltenbewahrerin eingearbeitet. Auf Pinterest könnt ihr unter "Zeitungswanderer | Astaros" schon mal erahnen, worum es gehen könnte)

Jedes Mal, wenn dieses Lied im Radio spielte, mussten meine Eltern es für die restliche Reise auf laut stellen. Ja, das waren sehr lustige Ferien, zumal es nur geregnet hatte und wir praktisch ständig im Auto waren :D

Zurück in Deutschland musste ich natürlich nach Anastacia forschen. Ich erinnerte mich daran, dass Anastacia die war, die wegen ihrer Brustkrebserkrankung erst vor kurzem mit Left outside alone ein Comeback hingelegt hatte, aber mehr auch nicht. Ich googelte und fand leider nur wenig heraus. Das Internet war damals noch nicht ganz so etabliert wie heute.

Ich kaufte mir ihre Alben und blieb bei One day in your life kleben. Ich konnte mich dunkel an das Lied erinnern, wusste, dass ich das damals ganz am Rande mitbekommen hatte und auch mochte. Für MTV war ich damals noch zu jung gewesen und durfte den Sender nur bedingt gucken ;) Als ich dann das Video dazu sah, wusste ich, dass ich das Lied kannte.

Jedenfalls entwickelte ich mich zum ultimativen Fan. Also so richtig. Mit allem, was man als Teenager auffahren kann. Wenn ich heute daran zurück denke, muss ich ein wenig lachen.
"Krass! In diesen Werbebroschüren, die trotz Aufkleber
immer im Briefkasten landen, gibt es eine CD-Tasche, in der
das zweite Album von Anastacia abgebildet ist. Das MUSS ich
ausschneiden und in meine Sammelmappe kleben!" 
Meine Routine war zu der Zeit: Täglich Anastacia hören, mein gesamtes Taschengeld in Zeitungsartikel investieren und sie säuberlich ausgeschnitten in eine Mappe zu heften und die Poster von ihr (schief) in meinem Zimmer aufzuhängen. Die Musikvideos wurden fast wöchentlich geguckt und so gut wie jeden nervte ich mit nur diesem einen Gesprächsthema. Als ihre Modelinie herauskam, war ich stolze Besitzerin von Longsleeve, Pulli und Hose (die, wie der Verkäufer betonte, an mir sehr „knackig“ aussah) und hatte einen großen Pappaufsteller von S.Oliver im Zimmer zu stehen, als die Kollektion aus den Läden wanderte. Mit einigen Freundinnen unternahmen wir sogar den Versuch, das Video zu One day in your life nachzudrehen. Leider ist daraus nie etwas geworden, aber wir hatten eine Menge Spaß.

Ich mochte Anastacia nicht nur wegen ihrer Musik, Stimme oder ihrem Aussehen. Ich mochte und bewunderte sie für ihre Stärke. Denn sie hatte mir zu dem Zeitpunkt eine wichtige Lehre erteilt, an der ich heute noch immer so gut es geht, festzuhalten versuche: Du bist stark und du kannst alles erreichen, was du willst, wenn du dich nicht unterkriegen lässt. Guck mich an. Ich habe den Brustkrebs besiegt und nicht aufgegeben. Also kannst auch DU deine Hürden überwinden.

Ich kann nicht in Worte fassen, wie groß der Selbstbewusstseinsschub war, den mir diese Frau verpasst hat. Gerade in der Pubertät, wo alles in einem Kopf stand, man sich immer irgendwie unverstanden gefühlt hatte und die seltsamsten Gefühle auch noch Achterbahn fuhren, guidete sie mich hindurch und ich wusste: Hey, alles ist okay, irgendwie wird das schon.

Je mehr ich spürte, dass ich selbstbewusst und stark war, desto mehr inhalierte ich Interviews von ihr, übersetzte in Kleinstarbeit die Songtexte; mein Englisch war damals nicht so gut, weil ich erst mit dem Englischunterricht angefangen hatte, und suchte im Internet spärliche Infos zusammen.

Ich schaute alle Making Ofs von ihr an, die ich auf den DVDs hatte und eine Dokumentation berührt mich sehr, auch heute noch: Die, in der sie Tagebuch über ihre Krebserkrankung führt.

Die gesamte Dokumentation befindet sich auf der
Deluxe Edition des Albums "Anastacia"

Man kann diskutieren, ob das sein muss, aber ich sage: Ja, das muss es. Für die Frauen, die mit dieser grausamen Erkrankung zu kämpfen haben und auch für Anastacias Fans. Manchmal zweifele ich daran, was im Musikbusiness Schein und Sein ist; ich fragte mich, ob Anastacia wirklich so stark war, wie sie immer tat, oder ob sie sich nur so gab, um ein Image zu pflegen.

Diese Dokumentation beantwortete meine Frage. Es ist unglaublich, mit wie viel Selbstbewusstsein und Kampfgeist sie an diese Erkrankung herangeht. Und auch wenn ich mich nicht in diese Situation versetzen kann: Hürden im Leben hat jeder. Und jeder muss diese irgendwie meistern. Ich konnte in dieser Dokumentation so Vieles herauszuziehen. In Bezug auf mich, mein Leben, meine Hürden.

Jedes Mal, wenn ich Musik von ihr hörte, fühlte ich mich unverwundbar, unbesiegbar und hatte den naiven, aber unzerstörbaren Gedanken, dass ich ALLES schaffen kann, was ich will. Dass ich der Herr meines Schicksals und meines Lebens bin. Ich hatte keinerlei Zweifel; weder in Bezug auf mein Schreiben, noch auf mich selbst. Auch wenn ich durch die Pubertät teilweise etwas unsicher war, war ich zufrieden.

Anastacia ist für mich mein Guide durch die Pubertät gewesen; mit ihren Liedern verknallte ich mich zum ersten Mal und erlebte auch meinen ersten Liebeskummer, ich musste lernen, dass Menschen einfach so aus dem Leben gehen und Freundschaften unglaubliche Kräfte entfesseln können, aber auch sehr schnell zerbrechen. Durch all das begleitete sie mich und es war trotz allem eine gute Zeit.

(Ihr habe ich durch Everyting burns, was der Soundtrack zu Fantastic 4 ist, auch meinen seit 2004 bis heute anhaltenden Celebrity-Crush Chris Evans zu verdanken. Höhö)

Während dieser Zeit und durch Anastacia sind zwei Romanideen entstanden, die für meine Entwicklung als Autorin sehr wichtig, wenn nicht sogar am Wichtigsten sind: Die Weltenwanderin und Amicitia – Chaos zu sechst.

Wer sich für die genaue Entstehungsgeschichte der beiden Projekte interessiert und wieso Anastacia damit zu tun hat, schaut am besten auf den Projektvorstellungen nach, da findet ihr alles verlinkt. 

Auch wenn in beiden Projekten Anastacia als Person und ihre Musik nicht im Vordergrund stehen, haben mich ihre Lieder beim Planen, Schreiben und Überarbeiten begleitet. Die Playlist zu Amicitia – Chaos zu sechst besteht fast nur aus Anastacia-Liedern. Außerdem habe ich versucht, Ana aus Die Zeitungswanderin einen ebenso starken und selbstbewussten Charakter zu verleihen, wie ich ihn mir durch Anastacia erarbeiten konnte. Lee aus Amicitia - Chaos zu sechst sollte die Unsicherheit in der Zeit der Pubertät durchleben und diese durch ihre Freundinnen, die ihr das zeigen und raten, was ich durch Anastacia lernen konnte, überstehen.
Schlussendlich ist mein Pseudonym auch auf Anastacia zurückzuführen, womit ich mich trotz allem auch heute noch mehr als wohl fühle und demnach nicht vorhabe, zu ändern. Dazu wird aber noch ein eigener Post folgen, in dem ich ausführlich erzähle, wieso ich mich überhaupt für ein Pseudonym entschieden habe (kurze Infos dazu findet ihr auf der Seite Sarah Force).

2004 ging Anastacia auf Tour und ich war so dödelig und hatte keine Karte, weil ich zu spät Fan geworden war und die Karten damals irre teuer waren. (Sind sie heute noch immer, aber als Schüler hat man doch ein sehr eingeschränktes Budget) Außerdem war ich noch nie so richtig auf einem Konzert gewesen und als Teenager war das alles mehr als schwierig zu regeln, da das Konzert auch noch unter der Woche war.

2005 ging Anastacia wieder auf Tour – die Encore Tour 2005. Ich hatte Karten für das Konzert in der Kindl Bühne Berlin gehabt; kurz bevor es stattfinden sollte (ich hatte meinen gesamten Kalender zum Countdown umfunktioniert), wurde es abgesagt. Kurzerhand beschlossen meine Eltern, dass das nicht ging und legten unsere Reiseroute der Sommerferien über Nürnberg um und gemeinsam gingen wir am 1.7.2005 auf das Anastacia Konzert am Zeppelinfeld.



Und mit diesem bombastischen Cliffhanger ;) verabschiede ich mich. Im nächsten Post geht es mit einem der besten Konzerte, die ich bisher erlebt habe, weiter. Außerdem berichte ich euch, wieso ich Anastacia zwar noch immer achte, sie aber längst nicht mehr DAS Idol für mich ist, das sie mal war. Wie es zu diesem krassen Bruch gekommen ist, erfahrt ihr im nächsten Teil (oder in den weiteren Teilen, ich weiß noch nicht genau, wie viele es werden :))



Habt ihr ein Idol, was ihr als Teenager so richtig angehimmelt habt, oder sogar noch heute anhimmelt? Oder seid ihr da eher neutral eingestellt? 




 
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