Mittwoch, 24. Februar 2016

Das Schreiben | Das, was niemand sieht



„Ach naja, wenn’s mitm Studium nicht klappt,
schreib ich halt ein Buch und werd damit so berühmt wie J. K. Rowling“


„Okay, du schreibst. Aber Autor bist du erst,
wenn du was veröffentlicht hast. Hast du schon was veröffentlicht?“


„Boah, also zu so einem Hobby hätte ich
gar keine Lust. Klingt voll langweilig.“


„Davon kann man doch nicht leben.
Wie stellst du dir das denn vor? Hartz IV?“


„Kommst du auch mal raus? Hast du überhaupt Freunde?
Oder hängst du nur mit deinen ‚Charakteren‘ herum?
Die es nicht gibt, nebenbei gesagt.“



„Ist doch nicht schlimm. Dann veröffentlichst du
halt nur fünf Bücher statt fünfzehn. Was macht das schon.“

Hallo ihr Lieben.

Wie ihr an den Eingangszitaten bemerkt habt, möchte ich heute ein Thema anschneiden, was mir sehr auf dem Herzen liegt, aber alles andere als schön ist. Entschuldigt also, dass der Post so lang geworden ist, aber ich möchte ihn ungern splitten. Ich verzichte außerdem ganz bewusst auf Bilder, weil ich möchte, dass gerade bei diesem Post die Worte für sich sprechen. 

Ich weiß ehrlich gesagt nicht einmal, wie ich solche Aussagen in Form einer Schlagzeile, eines Stichpunkts zusammenfassen soll. Jedenfalls sind es Kommentare, die ich mir öfter anhören musste, als man möchte.

Deshalb möchte ich genau darüber heute sprechen. Denn ich weiß, dass es vielen Autoren / Kreativen so ergeht.

Worauf zielt so etwas ab? Respektlosigkeit einem Hobbys gegenüber? Das Schreiben ist für mich mehr als nur ein Hobby. Ich lebe nicht, um zu schreiben, ich schreibe, um zu leben.
Ich kann beispielsweise Fußball nichts abgewinnen. Deshalb gehe ich aber nicht zu einem Bekannten oder Freund und sage „Dass du so viel Fußball spielst, finde ich blöd. Kannst du deine sozialen Kontakte überhaupt noch pflegen? Meinst du, dass du so eine Beziehung führen kannst, wenn du fünf Mal die Woche trainierst und am Wochenende Spiele hast?“
Nein! Das würde mir niemals einfallen! Ich muss nicht verstehen, wieso Menschen Dinge tun. Ich muss sie auch nicht toll finden. Aber ich muss sie respektieren, wenn es das ist, was denjenigen glücklich macht.
Vielleicht hält sich mein Interesse in Grenzen, ich würde nicht unbedingt bei Regen und Kälte auf dem Fußballplatz stehen und freudig in die Vuvuzela tröten, aber ich kann den Einsatz, den jemand in sein Hobby steckt, wertschätzen. Und das ist es doch, worum es unterm Strich geht, oder?

Zielen solche Aussagen darauf ab, dass man sowieso nie davon leben kann?
Ja und? Muss ich, nur weil mir etwas Spaß macht und ich diesem „Hobby“ ernsthafter nachgehe, als manch andere ihrem Hobby folgen, gleich davon leben können? Klar, wäre es toll. Ich würde lügen, wenn ich sage, dass es mir reicht, damit einen kleinen Nebenverdienst einzustreichen. Aber da ich bisher noch nichts veröffentlicht habe (aber stark darauf hin arbeite), reicht es mir vorerst, gelesen zu werden. Was danach kommt, kann ich jetzt nicht einschätzen. Dazu habe ich zu wenig Erfahrung. Deshalb spekuliere ich, was das angeht, nicht munter drauflos.
Was ich damit sagen möchte: Es ist schwierig, als Autor vom Schreiben leben zu können. Das ist unumstritten. Aber nur weil es schwierig ist, heißt es nicht, dass es unmöglich ist. Wer weiß, was kommt?
Allein der Selfpublishing-Markt hat sich in den letzten Jahren SO stark gewandelt, was mittlerweile jedem Türen öffnet, die bis vor einigen Jahren noch nicht einmal existiert haben.

Früher bin ich unglaublich offen mit dem Schreiben umgegangen, hatte Freunde, die regelmäßig in den Schulpausen etwas von mir lesen wollten und auch nach einigen Jahren noch fragten, ob ich immer noch schreibe und es mir Spaß macht. Das war eine tolle Zeit, die ich mittlerweile sehr vermisse. Ich vermisse es, offen und ohne Unwohlsein über meine Leidenschaft zu sprechen und ich vermisse vor allem die Unbefangenheit, mit der ich das tun konnte.
Im Studium (Deutsch wohlgemerkt), dachte ich, ich treffe auf Menschen, denen Literatur etwas bedeutet. Ich habe auch weiterhin in der Öffentlichkeit geschrieben, wie ich es auch in der Schule gemacht habe. Anstatt in diesen ätzenden fünfzehn Minuten, bevor ein Seminar anfängt, nur aufs Smartphone zu tippen, habe ich Seiten gefüllt. Oft kam die Frage von Kommilitonen auf, was ich mache. Anstatt mich zu fragen, wieso oder worum es geht, kam meist „das mach ich auch, wenn’s mitm Studium nicht klappt.“ Meist wurde in diesem Zusammenhang J. K. Rowling als DAS Beispiel genannt. (als ob jeder, der schreibt, genauso erfolgreich wird…)
Das hat mich wütend gemacht und enttäuscht. Wütend deshalb, weil ich allein aus der Wortwahl und dieser verblendeten Einstellung merkte, wie einfach sich Menschen vorstellen, ein Buch zu schreiben. Als müsste man nur ein paar Worte aneinander klöppeln und gut ist. Dass bei so einem Prozess unglaublich viel Planung hinter steckt, Mühe, Disziplin, Fleiß, Schweiß und Tränen, sieht niemand. Ich könnte das jetzt noch sehr viel mehr ausführen, aber das würde den Rahmen des Posts sprengen.

Ich will nur eine kleine Veranschaulichung geben: Wenn man im Studium, mit fast 30 Semesterwochenstunden sitzt, alles vor- und nachbereiten muss, nebenher arbeiten geht und noch versucht Sport zu machen, sich an den Abenden hinsetzt und schreibt, weil man es muss und will, auch wenn man vollkommen kaputt ist, frage ich: Wer zieht das lange durch? Nicht die, die denken, dass sie „mal eben“ ein Buch schreiben und dann Millionäre werden. Aber das fällt bei 99% der Menschen vollkommen unter den Tisch.

In genau dieser Zeit, in der sich solche Gespräche häuften und ich mich abstrampelte, um irgendwie voranzukommen, rutschte ich in eine der größten Schreibkrisen, die ich bisher hatte. Ich hatte kaum Zeit zum Schreiben, was mich unglaublich frustrierte. Sobald ich zwei, drei Tage nicht wenigstens eine halbe Stunde was gemacht habe, werde ich wirklich biestig. Aber woher Zeit nehmen, wenn keine da ist? Dazu kam, dass wenn ich etwas geschrieben hatte, es so schlecht war, dass ich tierisch verzweifelt war und in diesem Moment setzten die Sätze ein, die mir von Menschen eingetrichtert wurden, die zu solchen Äußerungen kein Recht haben.
Das Schlimmste war aber nicht mal das. Es war viel mehr, dass ich permanent zerrissen wurde - in das, was ich wollte und das, was andere erwarteten. Ich denke, dass jeder es kennt, wie unglaublich schwer es ist, Erwartungen anderer herunter zu schrauben, die kein Verständnis für das aufbringen können, was man tut. Man landet also in endlosen Rechtfertigungen und das hat mir zusätzlich enorm Kraft geraubt. 

Ein Mensch, der mir recht wichtig war, streute mit seinen Aussagen zusätzlich Salz in die Wunde. Wir sprachen über das Schreiben, ich erzählte von Die Zeitungswanderin und die Person heuchelte Interesse, was man aus jedem Satz herauslesen konnte. Sobald ich damit fertig war, kam sofort „Naja, aber das ist ja voll langweilig, immer so am PC zu sitzen. Hast du Freunde? Kommst du auch mal raus?“ Nein. Ich hocke generell nur in meinem Zimmer, trage ausschließlich Schlabberklamotten, und gehe nur raus, um die Pizzabestellungen entgegen zu nehmen…
Nur weil jemand fünf Mal die Woche ins Fitnessstudio geht, ist das Hobby „wichtiger“, „besser“ oder „sozialer“? Das ist doch Quatsch!!! 


Berlin, 30.06.2013
Weil es Liebe ist, wenn man nicht will 
und trotzdem muss und es dann, 
entgegen aller Vernunft dennoch tut.


Mir ging es zu der Zeit unglaublich schlecht. Ich stellte einfach alles in Frage. Fragte mich, ob sich das alles überhaupt lohnt. Ob „die anderen“ nicht Recht haben. Ob ich nicht total am Leben vorbeilebe, weil irgendwie immer ein Teil meines Kopfes in einer Geschichte hängt.
Ich habe das Schreiben zu der Zeit so sehr gehasst, trotzdem konnte ich nicht aufhören. Ich kann nicht ohne, weil es schon immer da war und ich ohne einfach nicht leben kann. Egal wie sehr es manchmal schmerzt, wie sehr es mich verzweifeln lässt, ich kann und will es nicht aufgeben.
Das damals zu verstehen, hat mir enorm viel Kraft abverlangt. Es tat weh, sich von einigen Menschen lösen zu müssen, die nicht verstanden, dass ich mich für diesen Weg entschied; für „tote Charaktere“, statt „lebende Menschen“. Heute weiß ich, dass das genau richtig war. Ich brauche niemanden um mich, der meine Zweifel bestärkt und meine Ängste schürt. Der mich niedermacht und mir Steine in den Weg legt. Ich brauche Menschen, die mich darin bestärken, dass es gut ist, was ich mache. Egal, was draus wird und egal wie gut oder schlecht das ist, was ich schreibe. Darum geht es nicht. Ich brauche jemanden, der an mich glaubt und sagt „auch wenn ich nicht verstehe, was dir daran so wichtig ist: Ich bin für dich da.“ 
Zum Glück gibt es Personen in meinem Leben, die genau das tun und ich hüte sie mehr wie Gollum seinen Schatz.

Diese Erfahrungen führten nur leider dazu, dass ich mein Hobby verleugne. Wenn ich heute neue Menschen kennenlernen, warte ich sehr, sehr lange, bis ich überhaupt sage, dass ich schreibe. Ich habe Angst vor den Reaktionen, vor der Ablehnung und den typischen Sätzen, die ich einfach nicht mehr hören kann. Ich wünschte, es wäre so wie früher und ich möchte auch wieder an diesen Punkt kommen. Ein erster Schritt war für mich dieser Blog. Ich möchte mit euch teilen, was ich schreibe, aber auch alles andere, was mit dem Schreiben zu tun hat – wie das hier. Das ist nicht nur der Startschuss, mich mehr als (unveröffentlichte) Autorin zu sehen, sondern mir auch zu helfen, mich mehr zu öffnen. Wieder mehr Selbstvertrauen in das Schreiben zu bekommen. 

Schreiben ist nicht immer nur mit einem warmen Tee vor einem tumblr-artigen Schreibtisch zu sitzen und munter auf seine Schreibmaschine einhacken; die Ideen sprudeln nur so in deinem Kopf und sobald man nach einigen Wochen das letzte Wort getippt hat, hat man einen Verlag hinter sich stehen.
Schreiben sind auch schlaflose Nächte, Sorgen und Ängste, Unverständnis anderer und ein sehr ausgewählter Bekanntenkreis, Disziplin, Fleiß und trotzdem noch ganz viel Liebe (und ein wenig ... naja gut, ganz viel! Pinterest).

Ein paar Worte zum Abschluss:

Diejenigen, die nicht schreiben:
Versucht zu verstehen. Wenn ihr es nicht tut, ist es kein Problem. Es ist auch nicht schlimm, wenn es euch nicht interessiert. Aber akzeptiert es. Akzeptiert, dass ihr jemanden kennt, der seine Zeit vor dem Bildschirm braucht. Der Pausen braucht, um zu schreiben und vielleicht mal nicht mit in die Bar oder ins Kino kommt. Dieser Mensch gibt euch auch den Freiraum für eure Hobbys. Letztendlich ist es nichts anderes.

Diejenigen, die schreiben:
Ihr seid kein schlechterer Mensch, nur weil ihr schreibt. Stellt die Vorwürfe, die euch gemacht werden, nicht mit euch als Person gleich. Das hat niemand nötig. Es ist ein langer Weg und es tut weh und auch ich zweifle manches Mal noch. Lasst euch dieses wundervolle Hobby, den Job, das SCHREIBEN nicht nehmen. Wenn ihr es wirklich liebt, werdet ihr sowieso nicht ohne auskommen. Löst euch von Menschen, die euch nicht gut tun, egal wie schwer es ist und haltet an denen fest, die bei euch sind und sagen „ich finde es toll, was du machst.“ Die Person, vor der ihr euch rechtfertigen müsst, wieso und weshalb ihr etwas tut, seid nur IHR. Und wenn ihr damit glücklich seid, dann ist das alles, was wichtig ist. Vergesst das nie. 

Ich hoffe, ihr konntet verstehen, worum es mir in diesem Post geht. Ich möchte damit niemanden angreifen oder jemanden schlecht reden, ganz im Gegenteil. Ich möchte damit nur sagen „akzeptiert, was die Menschen um euch herum für Hobbys haben.“ 




Liebe Grüße,




Mittwoch, 17. Februar 2016

Das Schreiben | Foals



Hallo ihr Lieben!

Heute möchte ich euch eine Band vorstellen, die ich während meiner Überarbeitung von Die Zeitungswanderin entdeckt habe. Da ihre Musik mich unglaublich inspiriert, möchte ich euch daran teilhaben lassen.

Ich weiß nicht mehr, wann und wo, aber in irgendeiner Serie, die ich nur nebenbei geguckt habe, lief das Lied My Number im Hintergrund.




Mir gefiel das Intro total gut und ich hatte ewig einen Ohrwurm davon und immer wieder versucht herauszukriegen, wie das Lied heißt und welche Band es singt. Ich habe Wochen damit zugebracht, es herauszufinden, ohne Erfolg. Irgendwann hab ich die Suche aufgegeben, bis mir das Lied durch Zufall wieder auf YouTube begegnete. 

Ich war total glücklich und hab mir danach Blue Blood angehört, was mir ebenfalls sehr gut gefiel. Der Text, die Melodie, alles daran war so erfrischend anders, neu und entspricht nicht wirklich dem, was ich bisher so gehört habe. Auch die leicht nasale Stimme des Sängers passt perfekt zu diesem andersartigen Sound. Ich mag das total.




Der Text passte sofort zu Chowen und seiner Suche. Daher forschte ich weiter nach Musik der Band, weil mich das sofort inspiriert hatte. Glücklicherweise gibt es Einiges auf YouTube zu finden und kurzerhand kaufte ich mir Holy Fire und Total Life Forever. 

Relativ schnell fand ich mein absolutes Lieblingslied in Black Gold:




Die Melodie ist so wunderschön melancholisch und ich liebe die Philosophie in dem Text:

They built you up and broke you down again 
So now you hope to beat the surf in
 Cause the future is not what you see 
It's not where you've been to at all 
-
The future is not what it used to be, used to be
((c) Foals, Black Gold)

Nach und nach kam es dann so, dass ich zu der Musik am besten arbeiten konnte. Die Musik ist so anders, weil sie die Gedanken auf eine angenehme Art durchspült, ohne dass die Musik sich vom Hintergrund in den Vordergrund drängelt und die Konzentration flöten geht. Es ist einfach die perfekte Mischung und ich kann ohne Foals nicht mehr überarbeiten.

Ich bin so froh, dass ich diese Band entdeckt habe und durch sie so gut arbeiten kann. Ich möchte Foals nicht mehr missen.

Am 8. September letzten Jahres war ich auf einem Konzert und es war unglaublich toll. Ich hab mich direkt nochmal in diese Band verliebt. Am 22. Februar spielen sie wieder in Berlin und ich kann es kaum erwarten. 


Hättet ihr Interesse an einem Konzertbericht? Welche Musik hört ihr, wenn ihr nachdenken wollt? Oder muss es dafür still sein?




Mittwoch, 10. Februar 2016

Die Zeitungswanderin | Der Schreibprozess




Hallo ihr Lieben!

Im letzten Post dieser Reihe hatte ich euch von der Inspiration und den ersten Schritten der „Planung“ erzählt.

Heute möchte ich euch von dem Schreibprozess von Die Zeitungswanderin erzählen.

Ich hatte damals die groben Ideen im Kopf und die Notizen zu den einzelnen Kapiteln fertiggestellt. Dass das für mich niemals reichte, um einen Roman zu schreiben, war mir zu dem Zeitpunkt nicht klar.

Total zuversichtlich, den neuen Weltbestseller zu schreiben, setzte ich mich an meinen Schreibtisch und schrieb meinen „Roman“.


Ich hatte von Ikea einen Notizblock gekauft, den ich bis heute liebe. Wenn ich ihn angucke, überkommen mich die unterschiedlichsten Gefühle, das ist unglaublich. Ich verbinde sofort die damalige Zeit damit, Anastacia, die ersten holprigen Schritte und auch die darauffolgenden Zweifel.
Da ich damals noch keinen eigenen Computer hatte und nicht immer warten wollte, wann ich den Familien-PC nutzen durfte; zumal ich auch nicht allzu viel Zeit vor dem Computer verbringen durfte, schrieb ich alles mit der Hand. Block und Stift konnte ich immer und überall dabei haben, ich konnte zu jeder Zeit schreiben und das tat ich auch. Den Block schleppte ich praktisch durch mein halbes Leben. Zur Schule, zu Hobbys und in Urlauben war dieser Block das Erste, was ich einpackte.

Abtipp-Marathon 2005
(Ich musste bei dem Bild echt lachen. Das ist noch Windows XP!)
In regelmäßigen Abständen tippte ich das Geschriebene ab, das war dann die Zeit, in der ich meinen eigenen Computer bekam (was für ein Segen!). Auf der einen Seite liebte ich das Abtippen, denn ich konnte Anastacia dabei auf voller Lautstärke hören und einige Szenen verbessern, aber auf der anderen Seite nervte es mich auch. Es kostete so viel Zeit, in der ich nicht weiterkam, sondern nur schon Geschriebenes reproduzierte.

Den ersten Entwurf habe ich bis zur Hälfte (zumindest der damaligen) mit der Hand geschrieben. Das letzte Kapitel war das aus Sicht von Lupita und Mwara (die damals noch anders hießen).

Rückblickend muss ich sagen, war das bisher die beste Schreibzeit meines Lebens, auch wenn das Produkt schlussendlich für die Tonne war. Stecke ich heute in einer Blockade oder zweifle an mir als Autorin, denke ich automatisch an diese Zeit zurück und das, ohne dass ich mir wirklich im Klaren darüber bin. 

Ich denke, es lag hauptsächlich daran, dass ich damals sehr offen mit dem Schreiben umgegangen bin. Da ich praktisch immer und überall geschrieben habe, kamen oft Rückfragen, was ich mache. Sehr gerne denke ich daran, wie ich in Schulpausen am Tisch saß, in der einen Hand mein Frühstücksbrot, in der anderen den Stift, und geschrieben habe. Klassenkameraden haben interessiert gefragt, was ich schreibe und wollten alles darüber wissen. Einige Ideen aus den Unterhaltungen stecken bis heute zwischen den Seiten. Freunde von mir lasen, was ich geschrieben habe und fanden es gut (was mich heute sehr wundert) und das bestärkte mich darin, weiterzumachen. 
Ich habe dadurch einige tolle Menschen kennengelernt und werde diese Zeit nie vergessen. Alles hat sich so richtig angefühlt und war leicht, Zweifel gab es keine.

Der allerallerallererste Entwurf des ersten Kapitels.
Kein Kommentar :D

Jetzt, wo ich nicht mehr so viel Zeit habe wie früher und man sich mehr Gedanken um Dinge macht, die man mit jugendlichem Übermut und einer zu großen Portion Selbstbewusstsein beiseite gewischt hat, ist das Schreiben auf eine gewisse Art und Weise schwerer geworden. Oder sagen wir anders. Dieses „ich kann alles schaffen, was ich will“ gibt es nicht mehr mit der gleichen Intensität wie damals.

Auch Die Gestaltswandlerin hatte das heftig zu spüren bekommen.

Ich plante und schrieb an dem Projekt von 2004 bis 2006 sehr, sehr intensiv. Ab 2007 schrieb ich ein anderes Projekt ((Un)Zertrennlich?), was mich so sehr vereinnahmte, dass ich Die Gestaltswandlerin beiseitelegte. Ich hatte mich durch die nicht vorhandene Planung in eine heftige Blockade geschrieben, was mich tierisch frustrierte. Ich fand alles so kindlich und schlecht, dass ich wütend auf mich selbst wurde, wenn ich die ganz alte Fassung las.

Wie konnte ich sowas schreiben? Warum fanden das so viele gut? Wie konnte ich damit nur umher tingeln und es auch noch toll finden? Und oh Gott, diese Formulierung da ist so peinlich und Shit, alles ist voller Logiklöcher…

Das Projekt war zum Scheitern verdammt.

Ich fürchtete mich so sehr vor meinen Fehlern und schämte mich dafür in Grund und Boden, dass ich das Projekt mit dem Stempel „Jugendsünde“ ad acta legte. Ich schwor mir, es nie wieder anzurühren, da ich das nicht auf die Menschheit loslassen konnte.

Dazu kam, dass ich Anastacia überhaupt nicht mehr mochte. Mit ihrem Album Heavy Rotation griff sie meiner Meinung nach vollkommen daneben und dahin war die Faszination. Meine Inspiration und meine Mutmacherin, mein Survivor Chick, die mich immer antrieb, verstummte. Und damit ging irgendwie auch ein Stück weit mein Selbstbewusstsein in Bezug auf mich als Autorin, weshalb ich überhaupt zuließ, dass mein innerer Lektor meine schriftstellerischen Fehler mit mir als Mensch gleichsetzte.

"Deckblatt"
2008 / 2009 rum wagte ich doch nochmal einen Blick darauf. Probierte halbherzig das Ganze zu retten, Ana umzubenennen, änderte den Titel in Die Gestaltwandlerin, weil ich das Fugen-s ebenso peinlich fand wie alles andere daran. Ich nahm tausend Neuplanungen vor, die aber alle nicht wirklich durchdacht waren, weil ich eben immer noch an (Un)Zertrennlich? arbeitete. Also landete Die Gestaltwandlerin wieder in der Kiste.

2011 hatte ich durch einen Uniwechsel eine Art Zwangspause und damit viel Zeit zum Schreiben. Ich machte mir Gedanken, wie es weitergehen sollte und schaute Projektideen durch; welche lohnten sich, welche nicht? Welche Idee war so gut, dass ich ihr meine Lebenszeit schenken möchte?

Da fiel mir Die Gestaltwandlerin wieder in die Arme.

Mein erster Gedanke war „Boah, ne ey. Dieses Projekt. Es verfolgt dich.“ Nachdem es fast sechs Jahre lang so gut wie nie beachtet wurde (die halbherzige Planung zähle ich nicht mit), holte es mich wieder ein.

Das ist ein Ausschnitt aus meinem Schreibtagebuch.
Daher bitte die unschönen Formulierungen ignorieren - das Ganze
dient nur dazu, meine Gedanken loszuwerden - egal wie schön es klingt.

Ich sah meine Ideen durch, las die erste (grausige) Fassung und plötzlich legte sich ein Schalter in mir um. Ich verliebte mich neu. Ich verliebte mich in die Figuren, in die Welt, in die Idee. Denn ich hatte gelernt, über diesen Fehlern zu stehen, die Fehler nicht mit mir als Mensch gleichzusetzen, sondern mit mir als Autorin, die eine Entwicklung durchmacht. Klar, ich schämte mich noch immer für manche Formulierungen, aber das interessierte mich gar nicht mehr weiter. Ich zog das raus, was mir sinnvoll erschien und sagte mir „Jetzt oder nie“.

Was dann passiert, möchte ich euch im nächsten Post erzählen.





Sonntag, 7. Februar 2016

Persönliches | Vorsätze 2016



Hallo ihr Lieben!

Ich dachte mir, dass jetzt ein ganz guter Zeitpunkt ist, um über Vorsätze zu sprechen. Der Januar ist rum, die Ersten fangen an zu schwächeln und ich? Ich bin noch immer hoch motiviert!

Ich werde euch erst einmal meine Vorsätze vorstellen und dann einzeln was dazu sagen. So könnt ihr entscheiden, was euch interessiert :)
(natürlich sind das nicht alle Vorsätze, aber einige gehen die Öffentlichkeit nichts an)

#1 Schreibziele erreichen
#2 Selbstachtung stärken
#3 Keine Angst mehr haben
#4 Aufs Bauchgefühl hören
#5 Ja. 
#6 Fitter werden
#7 Zimmer entrümpeln
#8 Tagebuch schreiben, Kalender gestalten



#1 Schreibziele erreichen

Ich denke, das versteht sich von selbst. ;)

Nachdem ich mittlerweile bei meinem dritten Jahresplan bin, weil ich immer etwas umgeschmissen habe und geändert, habe ich nun meinen endgültigen Fahrplan für dies Jahr und fühle mich damit wohl. Auch wenn es jetzt etwas einseitig klingen mag: Ich habe mir bis zum Ende des Jahres vorgenommen, meine Zeitungswanderer-Trilogie zu überarbeiten. Alle drei Bände, mit allen Überarbeitungsdurchläufen. Klingt vielleicht wenig, gerade wenn man liest, dass andere ein Buch in zwei Monaten fertig überarbeiten, aber ich bin bei sowas sehr langsam, prüfe alles sehr genau und hoffe, dass ich so das Bestmögliche herausholen kann. 

Andere Projekte habe ich im Hinterkopf, aber die kommen erst zum Zug, wenn die Zeit es erlaubt.


#2 Selbstachtung stärken

Ein Punkt, der mir dies Jahr sehr wichtig ist. 

Ich hatte ja schon auf Instagram einen Post dazu verfasst, aber hier noch einmal in Kürze: 2015 war nicht mein Jahr und ich bin unglaublich froh und erleichtert, dass es endlich rum ist. 

Auch ich bin die Sprüche „new year, new me“ leid, aber ich halte dies Jahr das erste Mal daran fest. Ich habe letztes Jahr etwas Wichtiges verstanden, weshalb die Sprüche irgendwo doch Wahrheit enthalten: Ich war unzufrieden mit meiner Situation, mit bestimmten Dingen und Erlebnissen. Letztendlich kam die Unzufriedenheit aber nicht von außen, sondern von mir. Weil ich mit mir unzufrieden war. Mit einigen Verhaltensmustern, Wünschen, Ängsten und Gewohnheiten. Es ist zwar toll, wenn man sich abstrampelt, um irgendein perfektes Ziel zu erreichen. Aber das wird niemals so toll sein, wie es könnte, wenn du nicht mit dir zufrieden bist. 

von meinem Instagram Account
Um wieder mehr mit mir im Einklang zu sein (auch wenn das im ersten Moment furchtbar esoterisch klingen mag), muss ich mehr Dinge machen, die mir gut tun. Ich muss MIR mehr Zeit einräumen und nicht nur von einem To-do-Listenpunkt zum anderen hetzen und das tun, was andere erwarten, was richtig ist oder wovon man denkt, dass es vernünftig ist. Sei es Schreiben, Ausmalen oder einfach nur Fernsehen gucken. Ohne das Gefühl zu haben „du müsstest aber“.

Ich möchte mehr wegkommen von dem „Ich leiste, also bin ich“ und mehr hingehen zu „Ich bin, also leiste ich.“ 

Dazu gehört, dass ich mich selber annehme, damit ich überhaupt das Gefühl habe, mir Gutes tun zu dürfen. Wenn ich mir selbst egal bin, weil ich unzufrieden mit mir bin, geht der Teufelskreis immer weiter. 

Wenn ich diese Basis geschaffen habe, kann ich mich um Dinge kümmern wie regelmäßig Zahnseide benutzen oder Klamotten sofort immer ordentlich zusammenlegen und in den Kleiderschrank räumen. Versteht ihr, was ich meine?


#3 Keine Angst mehr haben und #4 Aufs Bauchgefühl hören

Diese Punkte gehören ein bisschen zusammen.

Mit „keine Angst mehr haben“ meine ich Situation wie diese: „Ich bin zu einer Party eingeladen, wo ich niemand kenne. Ich habe Angst, dass sich keiner mit mir unterhält, also gehe ich lieber nicht hin“. 

Im Nachhinein sage ich mir nämlich immer „ein Glück hast du’s gemacht“, oder eben „wieso hast du dir das entgehen lassen?“ Und das will ich nicht mehr. Lieber eine doofe Situation erleben, als etwas zu bereuen, was man nie wieder bekommt.

Don't make decisions based on fear - Chris Evans

Ich möchte in diesem Zusammenhang auch mehr auf mein Bauchgefühl hören. Denn das sagt mir IMMER, was richtig ist. In den letzten Jahren hat es sich als sehr sicherer Entscheidungsfaktor entpuppt, dem ich leider viel zu wenig vertraue.

Ich hatte mal ein Vorstellungsgespräch und einen Probearbeitstermin. Beides lief gut, aber mein Bauchgefühl sagte mir „nein“. Es gab einige Dinge, die nicht richtig für mich waren und mein Kopf sagte „Hallo? Die zahlen gut, du suchst eh was, was ist dein Problem?“ Es war eine Entscheidung, die ich sehr bereue, vor allem weil ich es besser gewusst hätte. Denn die Erfahrung war alles andere als schön und vor allem unnötig. So etwas möchte ich vermeiden.

Es geht nicht um Entscheidungen, wo man im Nachhinein weiß, was besser gewesen wäre (wie zum Beispiel bei einem Umzug, die Wahl der richtigen Uni, etc.) es geht mehr darum, sich selber zu vertrauen in Situationen, in denen man unsicher ist.


#5 Ja.

Ein einfaches Wort. Damit meine ich aber eigentlich Aufschieberitis. 

Ich denke, das Problem hat jeder. Man müsste, aber will nicht. Mein Problem ist gar nicht mal, dass ich Abgabetermin nicht einhalten kann oder zu sehr prokrastiniere. Ich schiebe eher Sachen heraus, die ich gern machen würde, aber „die man ja immer noch mal irgendwann machen kann.“

Ich möchte zB die Gebärdensprache lernen. Seit ich das möchte, sind vier Jahre vergangen und ich kann noch immer nicht gebärden. Ich habe mir immer gesagt „mach erst mal dein Studium fertig, du hast ja eh kaum Zeit.“ „Ah. Jetzt lieber nicht, du musst fünf Hausarbeiten schreiben.“ Dies Jahr möchte ich zu solchen Dingen „JA!“ sagen und sie MACHEN! Kurzerhand habe ich mich, ohne groß drüber nachzudenken, für einen Gebärdensprachkurs angemeldet und ich freue mich riesig darauf.

Es gab schon einige Momente in diesem Jahr, wo ich mich durchgerungen habe, JA! zu sagen und was soll ich sagen. Es waren bisher die besten Momente in den ersten paar Wochen.

Situationen und Erlebnisse, die ich so nie gehabt hätte. 

Also: Ja.


#6 Fitter werden

Ich glaube, das nimmt sich so ziemlich jeder vor :D 

Ich habe mir als Ziel gesetzt, 3-4 mal die Woche zu sporteln. Bisher hat es trotz Handgelenkschmerzen immerhin zuverlässig 2 mal geklappt. Es ist also noch nicht das, was ich mir wünsche, aber es ist ein Anfang. Und zweimal ist besser als gar nichts. 

von meinem Instagram Account
Mir geht es hierbei auch nicht darum, in erster Linie abzunehmen (wobei ein paar Pfunde sehr gerne purzeln dürfen), sondern Sport in meinen Alltag zu integrieren. Den Schweinehund besiegen und nicht bei jedem Lauf oder Muskelaufbautraining im Kopf zu haben „ich hasse es, wann ist es vorbei, boah es nervt, ich finde es so ätzend“.

Momentan mag ich es ganz gerne, nach einem Korrekturmarathon laufen zu gehen und meinen Körper zu bewegen.


#7 Zimmer entrümpeln

Klingt banal, aber ich habe mir das als Vorsatztradition ausgeguckt. Einmal im Jahr räume ich alles auf. Also wirklich ALLES. Die Ecken, die man sonst immer weglässt, weil man genau weiß, dass da absolutes Chaos herrscht. Man wischt ordentlich Staub, auch dort, wo man seit Wochen / Monaten / Jahren nicht gewischt hat. Und man mistet aus. So richtig.

Da ich das jedes Jahr mache, gibt es nicht mehr so viel auszumisten, aber zu ordnen. Kontoauszüge, Klamotten, in die man trotz Sport nie wieder reinpassen wird, Bücher oder Kleinkram, der sich über die Jahre angesammelt hat.

Mir macht es Spaß, meine Besitztümer jedes Jahr erneut durchzugucken. An die Erlebnisse zu denken, die toll waren und überlegen, ob man Dinge aus schlechten Zeiten wirklich noch braucht oder es Zeit ist, loszulassen. 

Auf diese Art aufzuräumen ist für mich wie eine Meditation. Man fühlt sich (sobald das Chaos beseitigt ist), total durchgespült und leicht. Ich liebe das. 
(weniger schön sind die Nebenwirkungen meiner Hausstauballergie, weswegen dieses Event bei mir auch gerne „Das Hausstauballergie-Festival“ genannt wird)


#8 Tagebuch schreiben, Kalender gestalten

Das geht auch so ein wenig in die Richtung von Achtsamkeit und sich selber mehr Zeit einräumen, entschleunigen.


Ich habe immer mal wieder Tagebuch geschrieben, aber dann gab es Phasen, wo ich meine Gedanken gar nicht „für immer“ festhalten wollte. Kossi erzählt in ihren Videos immer mal wieder davon, wie gut es ihren Kopf entleert, die Gedanken einfach aufzuschreiben und ich bin auch genau der Typ, der alles aufschreiben muss, um innere Ruhe zu finden.

Außerdem habe ich mir vorgenommen, dass 2016 super wird und das heißt, dass ich die Erlebnisse auch bewahren möchte.

Demnach habe ich mir vorgenommen, jeden Tag Tagebuch zu schreiben und bisher ziehe ich das diszipliniert durch. Ich schreibe auf, was ich gemacht und erlebt habe, was mir so durch den Kopf geht, worüber ich mich freue, wovor ich Angst habe, oder dass mir manches auch total gegen den Strich geht. Außerdem schreibe ich mir auf, wann ich was lese, wann ich was schreibe und welche Lieder oder Serien gerade eine Rolle spielen. Das Ganze werde ich Ende des Jahres mit Bildern, Briefen, Mails, etc abrunden. Ich bin schon fleißig am Sammeln und es macht SO Spaß!

Ich merke auch, wie viel mir tagtäglich durch den Kopf geht. Mittlerweile bin ich echt entsetzt, wie ich ohne ausgekommen bin. Wo sind die vielen Gedanken hin?! 

Es tut auch gut, dass ich einen Ort habe, wo ich meinen Gedanken Raum geben kann. Einen Ort ganz für mich allein, ohne Bewertung oder Kommentar.

Denn ich neige dazu, die irrwitzigsten Dinge vor dem Einschlafen zu durchdenken und das kann manchmal echt belastend sein. (wenn man nicht einschlafen kann, weil man sich plötzlich fragt, was mit dem Wissen im Gehirn passiert, wenn jemand stirbt. Ob man das irgendwie rausziehen kann, um es haltbar zu machen. Und dann Angst bekommt, was in der Medizin schon möglich ist, wovon die wenigsten aber wissen)

Beispielseite meines Kalenders

Außerdem möchte ich meinen Kalender wieder mehr gestalten. Damit meine ich nicht das aktuelle Filofaxing, sondern eher Erlebnisse, die gut oder schlecht waren, schön gestaltet festhalten. Mit oder ohne Washi-Tape. Deshalb habe ich mir extra einen riesigen Kalender gekauft und bin schon fleißig dabei, meinem Hobby aus Schulzeiten nachzugehen. (auch das hat wieder mit Selbstachtung usw zu tun)



Das sind meine Vorsätze für 2016 und es geht mir so gut damit, dass ich platzen könnte vor Motivation, Vorfreude und Glück.

Was haltet ihr von Vorsätzen? Habt ihr euch welche gemacht? Was habt ihr euch für 2016 vorgenommen?


Ich wünsche euch jedenfalls ein ganz wundervolles, erfolgreiches Jahr, mit vielen tollen Erlebnissen und dass alles in Erfüllung geht, was ihr euch wünscht, vornehmt oder hofft! 




I do not own the copyright of the tumblr-picture. Please contact me if there are any problems and I will remove it immediatley.

Mittwoch, 3. Februar 2016

Amicitia | Charaktervorstellung Elias




Hallo ihr Lieben!

Im letzten Post dieser Reihe habe ich euch die Protagonistin aus Amicitia - Chaos zu sechst vorgestellt - Lee. Heute ist der Grund ihrer schlaflosen Nächte ;) an der Reihe: Elias.


Elias




Ich sehe auf, als ein Junge den Raum betritt. Auffallend sind seine hellbraune Hautfarbe und sein linkisches Auftreten. Ich muss unwillkürlich grinsen. Seine Haltung ist typisch für Jungs in seinem Alter; kein Körperteil scheint zu dem anderen zu passen, wie bei einem Welpen, der ständig über seine eigenen Füße stolpert.

Er sieht auf und ich bemerke seine braunen Augen, die meine Seele zu röntgen scheinen. Unsicher sieht er mich an und ich beschließe, ihn aus der unangenehmen Situation zu erlösen.
»Hallo Elias«, sage ich und reiche ihm die Hand.

Er erwidert den Händedruck. »Hi.«

Ich zeige auf den Sessel gegenüber von mir. »Setz dich doch.«

Elias nimmt Platz und schaut mich abwartend an.

»Wollen wir anfangen?«

»Okay. Was soll ich sagen?«

»Stell dich einfach erst mal vor. Wie du heißt, wie alt du bist, was du gerne machst und was du eher  nicht so magst. Und dann stelle ich dir ein paar Fragen.«

»Ähm. Also ich bin Elias und fünfzehn Jahre alt. Ich gehe in die achte Klasse und habe einen Hund, Sinja. In meiner Freizeit spiele ich gern Computer und höre Rapmusik. Außerdem treff ich mich gerne mit meinem besten Kumpel Danny zum Skaten, nur um festzustellen, dass ich es nicht kann. Ansonsten mag ich Pizza und Spaghetti. Gemüse ist nicht so meins. Dann lieber Obst.«

»Danke. Erzähl doch mal wenig von dem Sommer. Wie kam es dazu, dass du freiwillig mit vier Mädchen wegfährst?«

Elias schweigt und wird ein wenig rot. »Naja.« Er sieht an mir vorbei. »Es gibt da dieses eine Mädchen, mit dem ich seit vier Jahren in eine Klasse gehe. Sie ist einfach … « Er verstummt. »Die Beste von allen. Ich hab sie unheimlich gern. Durch Gespräche mit ihren Freundinnen habe ich rausbekommen, dass sie die Schule wechseln muss, weil sie umzieht. Das hat mich getroffen und ich hab Panik bekommen. Jetzt oder nie, dachte ich. Naja … ich hab stundenlang mit meinen Eltern diskutiert, bis ich ihnen sagen musste, dass ich Lee sehr gerne habe, damit sie mich gehen lassen. Das hat zu einigen Streits geführt, weil meine Eltern das unvorbereitet getroffen hat. Aber sie haben gesagt, dass ich alt genug bin, um Konsequenzen meiner Entscheidungen zu tragen und ja. Da durfte ich fahren. Es war nicht immer einfach, mit den Gackerhühnern, wie Danny und ich sie manchmal nennen, auszukommen, aber wir haben das ganz gut hinbekommen. Es war auch irgendwie witzig, weil ich Mädchen noch sie aus so kurzer Distanz beobachten konnte.«

Ich grinse. »Das hast du nett formuliert.«

Elias lacht. »Danke.«

»Kann ich dir einfach noch ein paar wahllose Fragen stellen? Und du antwortest am besten mit dem, was dir als Erstes dazu einfällt.«

»Klar.«

»Was wolltest du werden, als du ein Kind warst?«

Elias lacht. »Feuerwehrmann.« Er hebt abwehrend die Hände. »Ich weiß. Total klischeehaft. Aber so war es. Immerhin waren Feuerwehrmänner im Kindergarten sehr angesehen und jedes Mädchen wollte einen.«

»Was tust du, um dich zu entspannen oder abzureagieren?«

»Ich zocke, um mich abzureagieren. Das tut sehr gut. Wenn ich mich entspannen möchte, drehe ich mit Sinja eine Runde. Das bringt mich immer runter.«

»Welche übernatürliche Fähigkeit hättest du gerne?«

»Ich würde gerne Gedanken lesen können. Das muss bei ersten Dates echt witzig sein. Aber unsichtbar zu sein ist auch cool. Da würde ich definitiv meine Kunstnote aufbessern.«

»Wie stehst du denn zu Kriminalität?«

Elias zuckt mit den Schultern. »Lädt nicht jeder illegal Musik im Netz runter? Oder Spiele? Also wenn das so ist, bin ich total kriminell.« Er grinst.

»Was glaubst du, passiert nach dem Tod?«

»Darüber habe ich mir bisher keine Gedanken gemacht. Ich lebe im Hier und Jetzt und was JETZT passiert, ist wichtig. Der Rest interessiert mich nicht. Ich bin zu beschäftigt, zu leben.«

»Was ist das Peinlichste, was dir je passiert ist?«

»Puh. Am liebsten würde ich jetzt sagen, dass mir noch nie was Peinliches passiert ist, aber das ist eine Lüge. Lee hat mich oft in Verlegenheit gebracht, aber das war eher unangenehm. Nicht peinlich.«

»Was würdest du an dir ändern, wenn du könntest?«

»Ich würde gerne besser skaten können. Gegen Danny stinke ich total ab. Aber mir fehlt der Ehrgeiz, besser zu werden.«

»Hast du einen Terminkalender? Benutzt du ihn?«

»Ich tippe ab und an was ins Handy, nur um es dann zu vergessen.«

»Eine abschließende Frage: Wo siehst du dich in zehn Jahren?«

»Da bin ich ja etwa 25 … Boah. Keine Ahnung. Ich hab mir keine Gedanken gemacht, was ich nach der Schule machen will. Ich weiß nur, dass ich nicht das mache, was meine Eltern mir ständig vorschreiben. Das passt nicht zu mir. Ich möchte ich selber sein, auch wenn ich noch nicht weiß, wer diese Person ist. Ich hätte gerne einen Hund und eine hübsche Freundin. Alles Weitere muss man sehen. Bis dahin kann noch so viel passieren …«

»Danke für deine ehrlichen Antworten, Elias. Ich wünsche dir noch alles Gute in der Zukunft. Lass mal von dir hören.«

»Danke. Hat Spaß gemacht. Ciao!«

Elias steht auf und verlässt genauso linkisch den Raum, wie er ihn betreten hat. Ich schaue ihm grinsend hinterher. 









 
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